Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 22. Januar 2012 02:30:00

Wutbürger Gingrich lässt Romney in South Carolina alt aussehen

Thomas J. Spang

Zoom


(Bild: )

Gingrich

Wutbürger Newt Gingrich hat es in South Carolina allen gezeigt. Mit einem Erdrutschsieg bei den ersten Primaries im Süden stellt der ehemalige Speaker das Rennen um die republikanische Nominierung auf den Kopf. Der bisherige Spitzenreiter Mitt Romney hofft nun, seinen konservativen Herausforderer bei den Primaries in Florida am 31. Januar stoppen zu können.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Gingrich  40 %
Romney 28 %
Santroum 17 %
Paul 13 %

Wahlsieger Gingrich wertete den Erfolg in South Carolina als Triumph über die “Eliten” in Washington. Bevor er die Kritik auf den bisherigen Favoriten Romney ausweitete. ?Wir haben nicht das Geld, das mindestens einer der Kandidaten hat,” erklärte der strahlende Sieger, dessen Anhänger ihn mit wilden “Newt, Newt”-Rufen feierten. “Aber wir haben die Macht der Menschen und Ideen und wir haben hier in South Carolina gezeigt, das wir die richtigen Ideen haben, das große Geld zu schlagen.”

Der gestürzte Favorit Romney, der weit hinter den Erwartungen zurückblieb und auf das Viertel der Wähler zurückfiel, über das vorher schon nicht hinaus kam, versuchte die Niederlage herunter zu spielen. “Dieses Rennen wird so viel interessanter”, erklärte Romney, der als Erster mit betretener Miene vor seine Anhänger trat. Nachdem er Wahlsieger Gingrich gratulierte, griff er den ehemaligen Speaker an. “Wenn republikanische Führer diesem Präsidenten helfen, erfolgreiche Unternehmen zu dämonisieren, können sie nicht unsere Nominierung gewinnen”

Gingrich profitierte von einer unerwartet deutlichen Konsolidierung der konservativen Wähler in South Carolina. Möglich machte dies das Ausscheiden des Texaners Rick Perry, der hier zu keinem Zeitpunkt richtig Fuß gefasst hatte. Und das erstaunlich schwache Abschneiden Rick Santorums, der in dem von christlichen Fundamentalisten dominierten Bundesstaat eigentlich bestens positioniert war. Zumal er die Rückendeckung einer Gruppe einflussreicher Fundi-Führer erhalten hatte, die sich ausdrücklich hinter den Kandidaten gestellt hatten. Und er nachträglich den Sieg bei den Caucuses in Iowa zugesprochen bekam. Santorum konnte sich nicht von dem Messdiener-Image befreien, das ihn als “netten Kerl” erscheinen ließ, dem der Biss fehlt, Barack Obama aus dem Weißen Haus zu verjagen.

 

Romney legte zwei schwache Debatten-Auftritte hin und stapfte von einem Fettnapf in den nächsten. Dabei bekräftigte er den ohnehin schon vorhandenen Eindruck, ein wenig abgehoben zu sein. Das Publikum buhte den vornehmen Country-Club-Konservativen förmlich aus als er während der zweiten Debatte am Donnerstag eine seiner typischen Wischisaschi-Antworten auf die Frage gab, ob er bald seine Steuerakten der letzten Jahre offenlegen will. Ein guter Brauch in amerikanischen Wahlkämpfen, dem der 250 Millionen Dollar schwere Investment-Banker bisher nicht nachgekommen ist. Dass er ein Teil seiner Gelder im Steuerparadies der Cayman Islands geparkt hat und mit im Schnitt 15 Prozent weniger Steuern auf seine enormen Einkünfte bezahlt als hart arbeitende Durchschnittsverdiener half ihm auch nicht.

Vor allem schafft es Romney nicht, eine emotionale Verbindung zu den Wählern herzustellen. Anders Gingrich, der in South Carolina seinen inneren Wutbürger von der Kette ließ. Der Kandidat repräsentiert wie kein Zweiter in diesem Rennen das Gesicht des zornigen Konservativen. Seine Verbalattacken auf die “linken Eliten” in den Medien brachten ihm stehende Ovationen ein. Obwohl der ehemalige Speaker der ultimative Insider in Washington ist, schaffte er es in South Carolina, sich als Mr. Tea-Party neu zu erfinden.

Romney muss nun in Florida einen Doppelschlag Gingrichs vermeiden, um nicht vom Favoriten auf die Nominierung zum Außenseiter abzusteigen.

 

 

Erstaunlich wie sehr die Presse einmal mehr daneben lag. Nach dem Sieg in New Hampshire riefen viele Beobachter den Moderaten aus Massachusetts schon zum  unvermeidbaren Präsidentschafts-Kandidaten aus. Auch in der deutschen Presse, wo die Leithammel vom “Spiegel” Romney bereits aufs Schild hoben. “Romney wird unbeirrt gen Ziel trommeln, wie einst der Duracell-Hase,” kommentiert das Magazin mit der ihm eigenen Gewissheit. “Schließlich will er nicht König der Konservativen werden, nur ihr Kandidat.”

Klingt gut, übersieht leider nur, die fundementalen Probleme Romneys, der weder in Iowa noch mit seinem Pflichtsieg in New Hampshire überzeugte. In beiden Rennen hatte der Kandidat eine strukturelle konservative Mehrheit gegen sich. Einige Reporter fielen auf den gleichen Trick herein, den Hillary Clinton 2008 versuchte: eine Aura der Unschlagbarkeit zu verbreiten.

Wie damals viele die Sehnsucht nach einem fundamentalen Wechsel unterschätzten, der Barack Obama zum Wahlsieg verhalf, ignorieren diesmal nicht minder viele den Zorn der weißen Männer auf der Rechten gegen den Amtsinhaber.  Gingrich spiegelt viel mehr den Wutbürger wieder als der abgehobene Multimillionär mit dem perfekten Haar.

Das Rennen ist lange nicht entschieden. Wenn Romney Pech hat, erhält Newt eine Superladung, der ihn wie Speedy Gonzalez am Duracell-Hasen vorbeiziehen lässt.





Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / ipad

iPad und E-Paper

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: