Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 14. Januar 2012 19:41:00

Satiriker Stephen Colbert will US-Präsident werden

Thomas J. Spang

Zoom


(Bild: )

Colbert

Es ist offiziell. Stephen Colbert will als Kandidat bei den Primaries der Republikaner in South Carolina antreten. Das kündigte der Satiriker in seiner letzten Show an.


Nach Rücksprache mit einem ehemaligen Anwalt der Bundeswahl-Komission, gab der Satiriker dafür die Führung seines SuperPAC’s “Americans for a better Tomorrow, Tomorrow” auf.

“Als Kandidat kannst Du kein SuperPAC führen”, erklärt Trevor Potter. “Das hieße, Du würdest Dich mit Dir selbst abstimmen”. Und das ist laut Auslegung der Gesetze durch den “Supreme Court” nicht zulässig. “Einen Geschäftspartner zu haben, zählt dagegen nicht als Koordination,” weist Potter einen Ausweg.

Einen, den Mitt Romney, Newt Gingrich und die anderen Kandidaten schon längst gegangen sind. Deren SuperPACs geben bei den Vorwahlen in South Carolina mindestens 7 Millionen US-Dollar für die Kandidaten aus. In Nests Fall investiert sein PAC “Winning the Future” sieben Mal so viel wie er selber.

Colbert will dem nicht nachstehen und übergibt deshalb die Führung seines PACs an Jon Stewart. Während der letzten Sendung nahmen sich die beiden wie beim Armdrücken an die Hände und warten bis ein grüner Lichtstrahl von Colbert auf Stewart übergegangen war.

“Nachdem nun alles aufgeklärt ist, Nation – habe ich eine bedeutende Ankündigung zu machen, ” posaunte der Satiriker hinaus, der in seiner Sendung die super-patriotischen Moderatoren von FOX karikiert. “Das Volk von South Carolina sehnt sich jemanden herbei, der die früher Großartigkeit unserer Nation zu ihrer gegenwärtigen Perfektion verhelfen kann. Nun, Amerika, dieser jemand ist hier.”

Stewart wacht fortan über den SuperPAC.

Eine Umfrage der Meinungsforscher von Public Policy Polling sieht Colbert bei 5 Prozent. Demütigend für den drittplatzierten Republikaner von New Hampshire, Jon Huntsman, der Millionen in seinen Wahlkampf versenkt hat — Colbert liegt um eine Nasenlänge vor dem ehemaligen Botschafter der USA in China.

Doch keine Panik. Für Colbert und Stewart ist es zu spät, im Palmetto-Staat auf den Wahlzettel zu kommen. So bleibt es bei einem köstlichen Spaß, der die ganze Absurdität der amerikanischen Wahlkampffinanzierung vorführt.

Das oberste Verfassungsgericht der USA hatte in “Citizen United” alle Schranken aufgehoben. Statt wie bisher an eine Obergrenze von 2.500 pro Person und Kandidaten gebunden zu sein, können reiche Wohltäter nun SuperPAC’s gründen und unbegrenzt Geld an einen Kandidaten geben.

Das Ergebnis – die beste Demokratie, die man mit Geld kaufen kann.





Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / ipad

iPad und E-Paper

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: