Tagblatt Online, 18. Januar 2012 04:02:00
Mister “15 Prozent”
Thomas J. Spang
(Bild: )
Mitt Romney hat die Katze aus dem Sack gelassen. Er zahle im Schnitt wohl nicht mehr als 15 Prozent an Steuern, räumt der Multimillionär auf Wahlkampf in South Carolina ein.
15 Prozent – wie geht das bei einem Spitzensteuersatz von 35 Prozent ? Weil dieser Steuersatz nur auf reguläres Einkommen entfällt. Romney bezieht seine Einkünfte aus Kapitalanlagen, die in den USA einem sehr viel niedrigeren Steuersatz unterliegen.

Ganz nebenbei lässt er die Amerikaner wissen, dass er seit zehn Jahren nicht mehr gearbeitet hat, sondern seine Einkünfte aus “früheren Investitionen” bezieht.
Von Zeit zu Zeit habe er Redner-Gebühren erhalten. “Aber nicht allzu viel”, fügt Romney hinzu und lacht. “Nicht all zu viel” waren im zurückliegenden Jahr immerhin 374.327 Dollar. Neuneinhalb Mal soviel wie Amerikaner im Schnitt im Jahr verdienen. Und ein Betrag, von dem die überwältigende Mehrheit der Wähler im bettelarmen South Carolina nur träumen kann.
Auf die Details seiner Kapitaleinkünfte müssen die Wähler in South Carolina noch eine Weile warten. Romney will die Steuerunterlagen erst am Steuertag Mitte April veröffentlichen.
Der texanische Gouverneur Rick Perry hatte ihn während der Debatte dazu gedrängt, noch diese Woche den Schleier zu lüften.
Erstaunlich, dass Romney im Wahlkampf Krokodilstränen über die hohe Belastung der Leistungsträger vergießt,” die Arbeitsplätze schaffen.” Sich selber kann der Kandidat damit kaum gemeint haben.
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