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Tagblatt Online, 11. Februar 2012 16:50:00

Miesepeter trifft Wutbürger bei CPAC-Gipfel

Thomas J. Spang

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(Bild: )

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Einmal im Jahr strömen die Hardcore-Konservativen in die Stadt, die sie am meisten hassen. Tausende kommen nach Washington zu dem Zirkus, der “Conservative Political Action Conference” oder kurz CPAC heißt und über dieses Wochenende seine Zelte hier aufgeschlagen hat. Festspieltage von Tea-Party-Anhänger, christlichen Fundamentalisten, Neocons, Libertären und sonstigen Gruppen, die heute die Mehrheit der Republikanischen Partei ausmachen.

 

In ihrer verrückten Vielfalt haben die CPAC-Teilnehmer einen gemeinsamen Nenner: Alle sind hier große Anhänger der “Freiheit” und keiner ein Freund von Präsident Barack Obama.

Was nicht unbedingt gut für die Bewegung ist, wie der konservative Meinungsforscher Scott Rasmussen der Konferenz beizubiegen versucht. Wer sich schon einmal über Obamas Hoffnungs- und Reformversprechen lustig gemacht habe, will er wissen. Worauf die meisten Teilnehmer im Saal des vornehmen Marriott Wardman Park Hotels die Hand heben.

“Das ist wirklich dumm”, erklärt er seinen verbohrten Zuhörern. Die Wähler draußen in der wirklichen Welt lechzten nämlich immer noch danach. Ärger allein lasse sich nicht verkaufen. Gebraucht werde so etwas wie eine positive Vision.

 

Mitt Romney muss diesen Teil der Konferenz verpasst haben. Der notorische Wendehals versucht in seiner Rede sein Bestes, vergessen zu machen, dass er einst als moderater Gouverneur in Massachusetts regierte. “Ich verstehe Konservativismus, weil ich Konservativismus gelebt habe”, behauptete der Erfinder der Blaupause der Gesundheitsreform Obamas keck.

Um sich dann mit Hilfe eines Teleprompters immer mehr in Rage zu reden. “Ich kann es nicht abwarten, meine Hände an Washington zu legen”, feuerte er die Basis an. Positive Vision? Große Ideen? Fehlanzeige.

Die lässt auch Rick Santorum vermissen, der kurz zuvor ans Rednerpult getreten war. Anders als Romney fühlt sich der erzkonservative Polunder-Träger hier emotional zuhause. Er braucht sich mindestens nicht zu verbiegen, sich in dem parallelen Universum zu bewegen. “Warum würde ein unentschiedener Wähler jemanden wählen, über dessen Kandidatur die eigene Partei nicht begeistert ist?”, fragt er an die Adresse Romney gerichtet.

Newt Gingrich schließlich warnte vor dem Establishment der Republikaner, “das nicht zäh genug, der Sache verpflichtet ist und die Philosophie hat, die nötig ist eine Mehrheit in diesem Land aufzubauen”. Der Wutbürger par excellence macht ein Ärger-Defizit aus. Seine Kandidatur sei “eine tödliche Drohung” für die Eliten in Washington und an der Wall Street.

 

Das Publikum johlt auch für Newt, der nicht nur so richtig schön zornig sein kann, sondern auch so aussieht. Schwer vorstellbar, wie sich die bei CPAC von einem Redner nach dem nächsten verbreitete Negativismus als Erfolgsrezept gegen einen Präsidenten verkaufen lässt, der zuletzt das Glück des Tüchtigen hatte und so ziemlich das Gegenteil ausstrahlt.

Einen auf HB-Männchen zu machen, kommt bei den konservativen Festspieltagen an, aber gewiss nicht bei der kleinen Gruppe der unentschiedenen Wechselwähler in der Mitte. Das versuchte Meinungsforscher Rasmussen den Miesepetern einzutrichtern. Vergeblich.





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