Tagblatt Online, 08. Januar 2012 18:48:00
Konservative greifen Romney an – Unabhängige haben in NH großen Einfluss
Thomas J. Spang
(Bild: )
Nach der enttäuschenden ersten Debatte am St. Anselms College, gaben Mitt Romneys Konkurrenten im zweiten Anlauf ihre Zurückhaltung auf. Santorum und Gingrich gingen den Favoriten der Parteiführung in Concord frontal an, nannten ihn das, was er ist: Einen Moderaten aus Massachusetts.
In New Hampshire wird das an Mitts Position kaum etwas ändern. Hier dürfen am Dienstag nämlich nicht nur Republikaner abstimmen, sondern auch Unabhängige. Eine Besonderheit des Granitstaats, die der ehemalige Gouverneur und Stabschef Bush Seniors im Weißen Haus John Sununu hervorhebt. Ich traf den Gouverneur am Rande einer Romney-Kundgebung in Derry.

Sununu macht eine tiefe Verunsicherung der Wähler aus. Der Grund warum bisher jeder Herausforderer Romneys implodiert sei, habe weniger mit deren Programatik zu tun. Romney habe mit seinem Hintergrund in der Wirtschaft als einziger “Exekutiv-Erfahrung”. Das gelte auch für Santorum, der als Senator wenig Management-Erfahrung vorzuweisen habe.
Sununu unterschlägt den früheren Gouverneur von Utah und Obamas Botschafter in China, Jon Huntsman. Letzte Umfragen sehen ihn auf dem dritten Platz hinter Romney und Ron Paul, der in dem “Live free or die”-Staat traditionell eine starke Basis hat.
Huntsman könnte ganz besonders von den Unabhängigen profitieren, die ihn hier oben mögen. Ich wäre deshalb nicht über einen Achtungserfolg in New Hampshire überrascht.
Repräsentativ für die Partei ist das jedoch nicht. Romneys Nominierung kann nur der rechte Flügel der Republikaner verhindern.
Die Führer der christlichen Rechten versuchen sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu verständigen und eine Zersplitterung ihres Lagers zu verhindern. Sie müssen sich beeilen, damit der gut organisierte Spitzenreiter nicht Tatsachen schafft, die dem rechten Flügel der Partei ein weiteres Mal die Bremslichter zeigen.
Auskunft darüber werden die ersten Vorwahlen des Südens am 23.1. in South Carolina geben, ein Bundesstaat, der von christlichen Fundamentalisten und Tea-Party-Anhängern dominiert wird. Gemessen an dem Zulauf, den Santorum in New Hampshire erhält, könnte er der Bannerträger werden.
Ich hatte gestern meine liebe Mühe, mich in die aus allen Nähten platzende Scheune in Hollis zu quetschen.

Das allein sagt noch nichts über das zu erwartende Ergebnis aus. In New Hampshire betrachten die Bürger es als Sport, ihre Kandidaten live zu erleben. Klar das bisher kaum beachtete Bewerber Extra-Neugierde auslösen. Kleinere Veranstaltungsorte zu wählen, ist zudem ein alter Trick erfahrener Wahlkampf-Organisatoren. Entsteht doch so der Eindruck von besonderer Begeisterung.
Am Ende zählt aber nur Eines: Das Ergebnis am Wahlabend.
Rechte Meinungsführer wie Erick Erickson von “Redstate.com” plädieren angesichts des unbefriedigenden Kandidatenfelds für einen offenen Parteitag in Tampa. Statt die Konservativen hinter einen “Opportunisten” wie Romney zu nötigen oder einen “Big Government”-Konservativen wie Santorum zu unterstützen, mache es Sinn, dort jemanden zu küren, der die Partei wirklich repräsentiert.
In einem hat Erickson garantiert Recht. Romney löst selbst in New Hampshire keinerlei Begeisterung aus. Seine Veranstaltungen wirken seltsam lahm. Kein Vergleich zu John McCain, der die letzten beiden Rennen hier gewann.
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