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Tagblatt Online, 06. Januar 2012 17:23:00

Kandidaten in Naheinstellung

Thomas J. Spang

Zoom


(Bild: )

Primaries

Small-Talk mit Mitt Romney ist wie ein Gespräch mit dem Doktor. Newt Gingrich trägt auffallend schlecht sitzende Anzüge. Und Rick Santorums Nase ragt im wirklichen Leben nicht so rot aus seinem Gesicht heraus wie im Fernsehen. Ron Paul trägt billige schwarze Turnschuhe, während Jon Huntsman sehr viel mehr Ruhe ausstrahlt als seine hektischen Debattenauftritte vermuten lassen. Nirgendwo lassen sich solche Naheinstellungen einfacher und besser gewinnen als hier in New Hampshire.

Das macht die Primaries so besonders für die Einwohner des Granitstaates, die behaupten können, hier jeden künftigen Präsidenten persönlich getroffen zu haben. Für ernsthafte Reporter ist die Reise durch die winterlichen Landschaften mit ihren historischen Städtchen und verschneiten Bergen ein unverzichtbares Muss.

Ich werde heute Ron Paul in Nashua treffen, einen Abstecher bei der Telefonbank für Romney in Manchester machen und am Abend Mitt Romney beim Spagetti-Essen in Tilton erleben. Dafür braucht man sich weder irgendwo anzumelden, noch besondere Ausweise. Ein ordentlicher Wahlkampfkalender, ein iPhone und ein GPS reichen, den Kandidaten hinterher zu jagen.

Nichts ersetzt diese unmittelbaren Eindrücke, die später immer schwieriger werden. Die Kandidaten gehen dann nicht mehr zu intimen Veranstaltungen mit ein paar Dutzend Wählern, sondern treten vor großen Menschenmengen auf. Abgeschirmt durch einen wachsenden Stab an Secret Service und Pressemenschen. Spätestens am Super-Dienstag, wenn mehrere Bundesstaaten gleichzeitig wählen, mutiert der Wahlkampf zu einer Medienkampagne.

Der Fernsehwahlkampf ist kein Vergleich mit dem persönlichen Werben um jeden einzelnen Wähler in New Hampshire. Deswegen bin ich in diesem Jahr zum vierten Mal hier unterwegs. Diesmal mit einem Ford-Explorer, in dem ich gleich wieder auf einen Parkplatz einbiege, mich am Eingang aufstelle und darauf warte, dass in diesem Fall Paul aus seinem Wahlkampfbus steigt. Davor und danach gibt es reichlich Zeit mit Wählern zu sprechen, um ein Gespür für die Stimmung zu entwickeln.

Im besten Sinne des Wortes Politik zum Anfassen. Demokratie in Aktion. Deshalb bleibe ich ein großer Fan der Primaries in New Hampshire.





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