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Tagblatt Online, 06. Januar 2012 06:30:00

Iowa pickt Baumwolle, New Hampshire Präsidenten

Thomas J. Spang

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(Bild: )

NH2011Primaries - 76

Beim Verlassen des Flughafens von Manchester, signalisiert an der Ampel bereits ein Schildermeer der republikanischen Präsidentschaftskandidaten den Ausnahmezustand im New Hampshire.

Ganz anders als in Iowa, wo die Parteianhänger zu Nachbarschaftsversammlungen gehen, geben die Republikaner hier  am kommenden Dienstag ihre Stimme in einem Wahllokal ab. “Primaries” nennen die Amerikaner dieses Vorwahl-Verfahren. “First in the Nation” steht stolz auf den Autoplaketten der 1,3 Millionen Einwohner des Granitstaates, die wenig auf die “Caucuses” im Mittleren Westen geben.

“Iowa pickt Mais, New Hampshire Präsidenten” – So sagte es einmal der ehemalige Gouverneur des Neuengland-Staates John Sununu. Und so sahen es bisher auch die Kandidaten, die hier seit Monaten von Milchkanne zu Milchkanne ziehen, um den letzten Unentschlossenen zu umwerben.

David und Dale Appleton zählen dazu. Ich treffe die Pensionäre bei einer Bürgersprechstunde Newt Gingrichs in Lancaster. “Wenn sie einen Kandidaten nicht mindestens zwei Mal gesehen haben,” erzählt der ehemalige “Air Force”-Angehörige und Zivilpilot, “haben Sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht.” Die Rentner haben zuvor schon Mitt Romney und den anderen Mormonen im Rennen, Jon Huntsman gesehen. “Wir haben uns noch nicht entschieden”, meint Dale, die zu den Wählern gehört, die sich bis zum Wahltag Zeit lassen.

 

Weshalb Prognosen für den Ausgang der Primaries in dem Bundesstaat chronisch unzuverlässig sind. Erinnern Sie sich noch an Hillarys Tränen am Vorabend der Vorwahlen bei den Demokraten vor vier Jahren? Ich lag damals mit meiner Erwartung eines Obama-Wahlsiegs in New Hampshire genauso daneben wie 99 Prozent der amerikanischen Kollegen.

In diesem Jahr fällt es schwer, sich eine vergleichbare Zitterpartie bei den Republikanern vorzustellen. Romney führt hierin letzten Umfragen mit 14 Punkten vor Ron Paul. Alles andere als ein deutlicher Sieg des Gouverneurs des ehemaligen Nachbarstaats Massachusetts wäre eine faustdicke Überraschung. Auf der anderen Seite haben de Wähler des “Live-Free-Or-Die”-Staates schon oft genug die Erwartungen enttäuscht. Nicht auszudenken, was ein schwaches Abschneiden Romneys in seinem Heimspiel bedeutete.

Bedenken gegen den Kandidaten gibt es mehr als die Favoritenrolle vermuten lässt. “Er ist mir zu glatt”, findet etwa David, der darauf wartet, sich einen persönlichen Eindruck von Rick Santorum zu verschaffen, der in Iowa ganz nach oben aufstieg.

Dieser hat hier zwar keine große Wahlkampforganisation, profitiert aber von der kostenlosen Medien-Bericherstaatung, die sein knapper zweiter Platz in Iowa ausgelöst hat. “Mir ist er mit seinem Beinahe-Sieg erstmals richtig aufgefallen”, gesteht Renee Paradies (50), die ich in einem alten Eisenbahngebäude in Northfield treffe. Dort hat sie den ehemaligen Senator aus Pennsylvania erstmals richtig unter die Lupe genommen. “Er ist echt”, findet die Katholikin, die sich von Santorum angezogen fühlt.

Santorum stieg wie ein Komet auf den dritten Platz auf. Gleich hinter Romney und Ron Paul, dessen Anhänger hier vor vier Jahren als kostümierte Tea-Party-Revolutionäre durch die Hochburgen des Kandidaten zogen. Die rechtspopulistische Bewegung hatte hier ihre Wiege stehen. Nicht wie fälschlich behauptet in dem Wutausbruch eines CNBC-Korrespondeten an der Terminwarenbörse in Chicago.

“Ich hatte überlegt, Romney zu wählen, jetzt bin ich offen für einen anderen”, meint Renee, die von Santorums Detailwissen beeindruckt ist. Nicht nur wegen wackligen Wählern wie Renee bin ich mir nicht sicher, ob sich der ehemalige Gouverneur aus dem Nachbarstaat Massachusetts leisten kann, in der kritischen Schlussphase seine Zeit zwischen dem Granitsaat und South Carolina aufteilen kann.

Apropos South Carolina. Der erste Bundesstaat im Süden mit Vorwahlen (21.1.) droht in diesem Jahr allen anderen Wahlen den Rang abzulaufen. Wenn die Konservativen Romney hier nicht stoppen können, sieht es schlecht für die Fundis aus. New Hampshire soll die Grundlage für Romneys Durchmarsch liefern.

 





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