Tagblatt Online, 31. Januar 2012 04:30:00
Bitterer Machtkampf zwischen Tea- und Cocktail-Party
Thomas J. Spang
(Bild: )
Wenn der “Foreign Press Center” des US-Außenministeriums an die Auslandspresse Einladungen zu einer Wahlparty mit einem Präsidentschaftskandidaten verschickt, dann stimmt etwas nicht. Erst recht wenn diese von Team Romney kommt, der sich in seinen Reden im Wahlkampf mit Sticheleien gegen “den europäischen Wohlfahrtsstaat” überschlägt. Die Erklärung liegt auf der Hand. Romney ist sich seines Sieges im Sonnenstaat so sicher, das er übermütig wird.

Er plant in der Wahlnacht jeden Kanal zu nutzen, seinen Sieg über Newt Gingrich hinaus zu posaunen. Bis in sein ehemaliges Gastland Frankreich, wenn es sein muss. Die implizierte Botschaft lautet: Das war’s Newt, pack ein und sei kein Spielverderber.
Jenseits der Party-Vorbereitungen für den Convention Center in Florida sieht wenig danach aus. Im Gegenteil bekräftigte der Kandidat der Wutbürger, er werde bis zum bitteren Ende im Rennen bleiben. Bestärkt von mehr als 1.000 Anhängern, die Gingrich in einer Rentnersiedlung anfeuerten.
Erwarten tun das auch seine Unterstützer, die ein Kräftemessen zwischen Tea-Party und Cocktailparty bei den Republikanern ausgemacht haben. Pizza-König Herman Cain gehört ebenso dazu, wie Newts reicher Sponsor Sheldon Adelson und neuerdings auch die Tea-Party-Heldin Sarah Palin.
Palin verglich die negative Kampagne, die der Mormone Romney gegen Gingrich in Florida führt, allen Ernstes mit der Kreuzigung des Herrn. “Und wenn es nur darum geht, sich gegen diese Maschine aufzulehnen”, forderte die Rechts-Populistin ihre Tea-Party-Freunde auf, dann “stimmt für Newt!”
Das riecht nach Bürgerkrieg zwischen dem Tea- und Cocktail-Party-Flügel der Republikaner. Wobei in Florida Romney die Offensive führte. Der Multimillionär und sein SuperPAC gaben hier die Rekord-Summe von 16 Millionen US-Dollar auf, den Staat mit Negativwerbung zu überziehen. Vier mal so viel wie Newt, der zu spät und bei weitem nicht so gut organisiert an den Start ging.
Ermutigt durch eine zweistellige Führung in den Umfragen hofft Team Romney , in der Wahlnacht einmal mehr den Eindruck der Unvermeidbarkeit zu erzeugen. Nur – der Kandidat braucht 50 Prozent der Delegierten-Stimmen, die mit Ausnahme Floridas proportional vergeben werden. Die Frage bleibt, wie er diese Zahl erreichen will solange die drei konservativen Kandidaten im Rennen bleiben.
Romney wird es sich nicht leisten können, seine Konkurrenten einfach zu ignorieren. Vor allem muss er irgendwann einmal damit anfangen, positiv zu erklären, wofür er eigentlich steht. Stattdessen haben ihn seine Parteifreunde sehr zur Freunde von Amtsinhaber Barack Obama negativ definiert.
Die Unabhängigen laufen Romney bereits in Scharen davon. Obama führt bei dieser wahlentscheidenden Gruppe im direkten Vergleich mit 44 zu 36 Prozent. Im November war es genau anders herum.
Statt die Auslandspresse einzuladen, sollte der Kandidat lieber in sich gehen. Der erwartete Erfolg in Florida könnte am Ende teuer erkauft sein.
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