NZZ Online, 12. Februar 2012 07:37:00
Wo, bitte, geht's zur Meisterschaft?
Mönchengladbach zeigt Schalke beim 3:0 im Spitzenduell deutlich die Grenzen auf
Der Schalker Papadopoulos (l.) vermag Marco Reus nicht vom Ball zu trennen. (Bild: Imago)
Wann hat es zuletzt einen solchen Fussballer gegeben in der Bundesliga? Sein Spiel ist elegant, aber dabei vollkommen unorthodox. Er behauptet Bälle, ohne je dribbeln zu müssen. Sein Weg durch die Abwehrreihe des Gegners erscheint beinahe mühelos.
Stefan Osterhaus, Berlin
Fast schon körperlos bahnt er sich den Weg zum Tor. Und er trifft. Immer häufiger. 13 mal in 21 Spielen, auch am Samstag gegen den FC Schalke 04 im Spitzenspiel der Bundesliga. Nicht einmal 120 Sekunden waren absolviert, da kam Marco Reus zum Zug und vollendete nach einer Drehung auf engem Raum ein Tor, wie es nur wenige Stürmer in der Bundesliga zu erzielen vermögen.
3:0 gewann Mönchengladbach den Spitzenkampf gegen Schalke, es war verdient, allzu verdient. Denn nach einer Viertelstunde traf Mike Hanke, die Überlegenheit der Equipe von Lucien Favre spiegelte sich in den Tormöglichkeiten, auch in der Effizienz liess Gladbach wenig zu wünschen übrig: Juan Arango traf nach 32 Minuten zum 3:0. Oft überliess Gladbach Schalke den Ball, doch das Team des Trainers Huub Stevens vermochte kaum Lücken in der Gladbacher Deckung zu finden.
Favre leitet ein Spitzenteam. Nach dem Match gegen Schalke ist es kaum noch zu leugnen. Eigentlich war es schon mit dem Auftakt der Rückrunde gegen die Bayern vorauszusehen, als der Favorit aus München beim 3:1 regelrecht demontiert worden war. Schalke erging es genauso, im direkten Vergleich der Spitzenteams hat Mönchengladbach stets den stärkeren Eindruck hinterlassen, auch gegen den Champion Dortmund wurde in der Hinrunde nicht verloren.
Der Einbruch, auf den manche spekulierten, ist nicht erfolgt, und es spricht wenig dafür, dass er die Gladbacher noch ereilen könnte. Zwar hält sich noch immer ein populärer Irrglaube in der Fussball-Republik, wonach die Mannschaft deutlich über den Möglichkeiten spiele. Doch wer genau hinschaut, wird dafür keine Anzeichen erkennen können. Gladbach verfügt über exzellente Einzelkönner, die gut harmonieren, was sich nicht nur im beinahe blinden Verständnis der Angreifer Reus und Hanke dokumentiert.
Auch das Zusammenspiel des Goalies Marc-André ter Stegen mit der Defensive um Dante ist herausragend und verleiht dem Team defensiv eine Stabilität, über die kein Konkurrent verfügt: Nur 12 Gegentore hat die Mannschaft in 21 Matches hinnehmen müssen – ein einzigartiger Wert in der Liga.
Bremen ist für ein Team wie Gladbach keine Konkurrenz, so wenig wie Leverkusen, auch gegen Wolfsburg spricht einiges, und angesichts der eindrücklichen Performance darf man vielleicht auch mal die Frage stellen, warum in aller Welt das Wort Meisterschaft in Mönchengladbach gemieden wird, als gehe eine Infektionsgefahr davon aus.
Gladbachs Konkurrenten hatten leichtere Aufgaben zu lösen: Borussia Dortmund setzte sich mit 1:0 gegen Leverkusen durch und behauptet damit die Tabellenspitze, die Bayern verzeichneten nach einem soliden Auftritt ein 2:0 gegen Kaiserslautern und sind Zweiter vor Mönchengladbach.
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borussenecho (12. Februar 2012, 11:45)
der Ruetli-Schwur im modernen Fußballgewand - Borussias Glanz und Gloria erfährt eine...
Unerschrocken und keck wie einst die schweizer Sage Wilhelm Tell mischt Lucien Favre die Fußball-Bundesliga auf. Einem tot geglaubten Mythos, der nur noch von seiner Nostalgie lebte, haucht er neues Leben ein.
Beitrag kommentierenEine verschworene Gemeinschaft ist die Borussia seit Favres Amtsantritt vor einem Jahr.
Ein System mit spielerischer Brillianz, ein Abwehr wie ein Bollwerk und Fans, die immer noch ungläubig dem Geschehen staunend zusehen.
Die Mannschaft hat Favres Philosophie bis ins kleinste Detail verinnerlicht. Zudem lebt sie sein Credo, immer nur von Spiel zu Spiel zu denken.
Dante lobt in einer brasilianischen Zeitung das von Favre erschaffene Kollektiv. Jeder kämpft für den anderen und spielt die Saison seiner Karriere.
Eine Legende lebt! Vielen Dank Lucien!
Sei Du der Baumeister einer neuen Ära bei der Borussia und setze Dir ein Denkmal in den Vereinschroniken.
Lass wir uns überraschen, was noch alles kommen wird!
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