NZZ Online, 05. Februar 2012 20:20:00
Simon Ammanns Betriebsunfall
Der Schweizer im zweiten Springen in Val di Fiemme nicht im Finaldurchgang
Simon Ammann - am Sonntag nicht im Finaldurchgang der besten Springer. (Bild: Reuters)
Simon Ammann hat im zweiten Springen in Val di Fiemme einen Rückschlag erlitten. Der Toggenburger verpasste als 31. den Finaldurchgang um 0,5 Punkte. Kamil Stoch aus Polen verhinderte am Sonntag den 41. Sieg des österreichischen Überfliegers Gregor Schlierenzauer.
(si) Simon Ammann, am Vortag noch guter Fünfter, musste auf der Anlage in Predazzo einen Dämpfer hinnehmen, den er selber verschuldete. Der Schweizer setzte auf die Karte Risiko und attackierte am Tisch zu resolut. Er sprang radikal in die Vorlage. Weil er gleichzeitig den Absprung verpasste, flog er viel zu flach über den Vorbau und setzte im ersten Umgang bereits nach 115,5 m auf.
Der Flieger konnte den Sprung bei Rückenwind nicht mehr retten. Ammann beklagte doppeltes Pech: Einerseits verhaute er den Sprung, anderseits half den schwächeren Springern zu Beginn des Wettkampfs noch der Aufwind. Die Wind- und Anlaufregel kompensiert diese gegensätzlichen Verhältnisse nicht vollständig. Ammann wird das Springen vom Sonntag am WM-Ort 2013 als Betriebsunfall abhaken, zumal er eine Stunde zuvor als Vierter der Qualifikation noch solid gesprungen war. Letztmals hatte er im März 2008 in Lillehammer einen Finaldurchgang verpasst.
Am Samstag bestätigte Ammann mit Platz 5 und dem besten Saisonresultat seinen generellen Aufwärtstrend. Mit 128,5 und 127,5 m verfehlte der Toggenburger sein 43. Weltcup-Podest nur knapp. Die Topspringer liegen – abgesehen von Gregor Schlierenzauer in Bestform – zumindest in Reichweite.
Nummer 40 für Gregor Schlierenzauer
Der Pole Kamil Stoch verhinderte am Sonntag den 41. Weltcup-Sieg des Österreichers Gregor Schlierenzauer. Mit 131,5 m im Finaldurchgang fing er den Tiroler, der 130 m nachlegte, noch ab. 24 Stunden zuvor hatte Schlierenzauer seinen 40. Erfolg in überlegener Manier gefeiert. Mit 134 und 134,5 m zeigte der Tiroler am Samstag in beiden Durchgängen die weitesten Flüge. Nach dem Wochenende in Val di Fiemme liegt der Sieger der Vierschanzentournee in der Overallwertung bloss noch drei Punkte hinter Andreas Kofler, der mit den Rängen 6 und 16 schwächelte.
In der «ewigen» Bestenliste der Weltcup-Springen fehlen dem erst 22-jährigen Schlierenzauer nur noch sechs Siege zur Vorgabe des Finnen Matti Nykänen. Sofern der Österreicher seine Form konserviert, besteht die Chance, dass die Rekordmarke bereits in dieser Saison fällt. Noch sind acht Springen ausstehend. Der nächste Wettkampf folgt am Samstag in Willingen.
Die Springen in Val di Fiemme in Zahlen
Samstag. Schlussklassement: 1. Gregor Schlierenzauer (Ö) 249,8 (134 m/134,5 m). 2. Severin Freund (De) 234,7 (131/130,5). 3. Thomas Morgenstern (Ö) 227,5 (123,5/130). 4. Anders Bardal (No) 225,2 (126/125,5). 5. Simon Ammann (Sz) 224,2 (128,5/127,5). 6. Andreas Kofler (Ö) 223,4 (129,5/126,5). 7. Kamil Stoch (Pol) 223,3 (123/126). 8. Roman Koudelka (Tsch) 219,5 (130,5/126). 9. Richard Freitag (De) 217,8 (120/129,5). 10. Andreas Wank (De) 215,8 (125/129,5).
Stand nach dem 1. Durchgang: 1. Schlierenzauer 127,1 (134). 2. Freund 122,0 (131). 3. Kofler 117,5 (129,5) und Taku Takeuchi (Jap) 117,5 (131,5). 5. Ammann 117,0 (128,5). 6. Koudelka 116,8 (130,5). - 14. Morgenstern 108,1 (123,5).
Sonntag. Schlussklassement: 1. Stoch 258,5 (125,5/131,5). 2. Schlierenzauer 256,9 (126/130). 3. Bardal 248,6 (123,5/128). 4. Freitag 247,1 (122,5/129,5). 5. Freund 241,2 (122,5/126,5). 6. Morgenstern 240,7 (121/127). 7. Björn Einar Romören (No) 237,7 (129/121,5). 8. Daiki Ito (Jap) 235,0 (119/130). 9. Wank 229,8 (129/122). 10. Peter Prevc (Sln) 228,4 (122/123). - 16. Kofler 220,8 (118/123). - Nicht im Finaldurchgang: 31. Ammann 84,9 (115,5).
Stand nach dem 1. Durchgang: 1. Wank 116,2 (129). 2. Schlierenzauer 110,3 (126). 3. Stoch 110,1 (125,5). 4. Romören 109,9 (129). 5. Bardal 105,0 (123,5). 6. Freitag 104,9 (122,5).
Weltcup (19/27): 1. Kofler 1049. 2. Schlierenzauer 1046. 3. Bardal 1017. 4. Stoch 876. 5. Morgenstern 874. 6. Freitag 765. - 11. Ammann 352. 63. Marco Grigoli (Sz) 6. - 68 klassiert.
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