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Neue Zürcher Zeitung, 06. Februar 2012 00:00:00

Schielen scheint wieder erlaubt

Die Young Boys setzen mit dem 3:1-Sieg gegen Servette ein starkes Zeichen

Die Berner Verantwortlichen dürfen sich ein erstes Kränzchen winden. Die Zuzüge Matias Vitkieviez und Raul Bobadilla schiessen die Tore zum Sieg.

Bernhard Brunner, Bern

Der überzeugende 3:1-Sieg der Young Boys gegen Servette ist das eine. Dass die Konkurrenten Basel und Luzern zum Rückrundenstart Punkte einbüssten, ist indes vielleicht das Wichtigere für den Verein mit den grossen (Titel-)Ambitionen. Der Trainer Christian Gross mochte sich erwartungsgemäss nicht auf Spekulationen einlassen.

Er dürfte aber in seinem Innern doch einigen Auftrieb verspüren, weil sein lauerndes YB ein wenig näher an die Beute gerückt ist. Er schaue nicht auf die Tabelle, «jetzt doch nicht», sagte Gross, und er mochte auch die nachgestellte Frage nicht beantworten, zu welchem Zeitpunkt er sich allenfalls einen Blick gönne. Neun Punkte Rückstand auf den FC Basel sind zwar immer noch eine halbe Weltreise, aber eben keine ganze mehr. Schielen scheint wieder erlaubt.

YB startete unter widrigen äusseren Bedingungen wuchtig – und willig, die bisher schlechte Bilanz in Heimspielen aufzuwerten. In der Vorrunde resultierten aus neun Partien nur zwölf Punkte, Gross musste sich wiederholt über die «mangelnde Dominanz und Entschlossenheit» beklagen.

Diesmal gab es auf diesem mentalen Terrain nichts zu mäkeln. Zweimal Matias Vitkieviez (von Genf gekommen) und Raul Bobadilla (Gladbach) erzielten die drei Berner Treffer. Gross attestierte dem doppelten Torschützen «eine grossartige erste Halbzeit», und seinen Argentinier lobte er «für die Demonstration, wie man einen Sturm anführt».

In der Tat versprühte Bobadilla viel Selbstvertrauen und eine hohe Verdrängung im Strafraum des Gegners. Er verkörperte etwas Unverwüstliches, das den Young Boys noch gut bekommen könnte. Gross ärgerte sich einzig über «das unnötige Gegentor» durch Vincent Rüfli in der 84. Minute, sonst lag Genugtuung in seinen Gesichtszügen. Einen «Start nach Mass» nannte der Trainer diesen ersten Auftritt im neuen Gewand.

Servette tat das Seinige, dass in der Kälte nie Spannung aufkam. Der Trainer João Pereira musste an der Pressekonferenz feststellen, dass es in der zweiten Halbzeit «nur noch um Ehre und Würde» gegangen sei. Die Genfer offenbarten zwar spielerische Substanz, aber es war nicht zu übersehen, dass sie keine verschworene Einheit bilden. Dazu passt auch, dass in der Romandie heftig über den Präsidenten Majid Pishyar debattiert wird: ob dieser ausstehende Zahlungen als Druckmittel einsetzt, um mehr Genfer Geldgeber ins Boot zu holen, oder ob schon wieder ein Szenario Richtung Konkurs droht.

Seltsam mutet zudem an, dass der neu verpflichtete Portugiese Thierry Moutinho noch immer keine Spielbewilligung hat, obwohl der Transfer schon seit Wochen feststeht. Der Trainer schüttelte bei der Frage nach Gründen nur den Kopf und sagte: «Die Ressourcen sind für einen Trainer so nicht die besten.»





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