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Neue Zürcher Zeitung, 10. Februar 2012 00:00:00

Ja, er will

Der Wechsel von Xherdan Shaqiri zum FC Bayern

Teure Schweizer Fussballer: Mit Xherdan Shaqiri ist seit Sommer 2011 der fünfte Nationalspieler einem ausländischen Klub einen zweistelligen Millionenbetrag wert. Shaqiri zeigt mit dem Wechsel zum FC Bayern Mut und soll im FC Basel als Vorbild dienen.

Benjamin Steffen, Basel

Xherdan Shaqiri sass auf einem Sofa und verglich sich mit Ronaldinho. Mit vermeintlich mangelndem Trainingseifer konfrontiert, sagte er: «Auch Ronaldinho nimmt es manchmal lockerer.» Ronaldinho ist Brasilianer, zweifacher Weltfussballer – Shaqiri blickte dem 19. Geburtstag entgegen und verbuchte sieben Länderspiele für die Schweiz.

Die Episode datiert vom Herbst 2010, und es fiel schwer, dem Teenager Grossspurigkeit vorzuwerfen, weil er sich so selbstverständlich gut findet, als könne einem nichts anderes in den Sinn kommen. Notfalls kann Shaqiri in sein Selbstbewusstsein eine Prise Schalk streuen – womit er an Franck Ribéry erinnert, dem man fast nicht böse sein kann, wenn er ein schiefes Lächeln auf sein vernarbtes Gesichts zaubert.

Polyvalenz als Plus

Doch auch andere finden Shaqiri gut, etwa die Chefs des FC Bayern. In München wird er ab Sommer mit Ribéry um Sympathien und Einsätze buhlen dürfen. Am Donnerstag offizialisierten der FC Basel und Bayern den längst kolportierten Wechsel nach München. Die Vertragsdauer wurde kommuniziert (vier Jahre), die Ablösesumme ususgemäss nicht; die Rede ist von mindestens 14 Millionen Franken.

Damit wird Shaqiri nach Gökhan Inler, Blerim Dzemaili, Stephan Lichtsteiner und Ricardo Rodriguez als fünfter Schweizer seit Sommer 2011 für über 10 Millionen transferiert. Zudem ist noch kein Schweizer für mehr Geld als Shaqiri aus der höchsten Schweizer Liga herausgekauft worden; der bisherige Rekordhalter Patrick Müller war 2000 für 12,75 Millionen von GC nach Lyon gezogen.

Shaqiris Karriere kam in Fahrt, als 2009 Thorsten Fink in Basel Trainer wurde. Fink erkannte die Vielseitigkeit Shaqiris, setzte ihn bald auf der linken Abwehrseite, bald im rechten Mittelfeld ein. Nach der Debüt-Saison nominierte ihn der Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld für die WM in Südafrika. Hitzfeld, der langjährige Bayern-Coach, äusserte sich am Donnerstag wohlwollend zum Wechsel; im kleinen Kreis votierte er wohl schon länger dafür.

Ob sich Shaqiri im raueren Umfeld des deutschen Rekordmeisters behaupten wird, bleibt abzuwarten. Die Polyvalenz dürfte ihm zugutekommen, doch zeigte das Cup-Spiel der Bayern vom Mittwoch gegen Stuttgart (2:0), dass im Mittelfeld ohne Ribéry (links) oder Arjen Robben (rechts) nicht automatisch ein Platz frei wird. So sass Robben auf der Bank; für ihn spielte Thomas Müller, ein deutscher Nationalspieler. Shaqiri misst sich gern mit grossen Namen. «Man kennt mich mittlerweile. Ich fürchte auf dem Feld niemanden, sondern zeige Mut.»

Auffallend geduldig

Für Shaqiri spricht, dass er nicht überhastet irgendeinem Klub, sondern schliesslich den seriös geführten Bayern «Ja, ich will» sagte. Diese Geduld entsprach den Vorstellungen der Basler Chefs, die früh erkannten, dass Shaqiri dereinst zu einem führenden europäischen Klub wechseln könnte. Seit 2003 gingen knapp 70 Spieler aus Basel ins Ausland.

Shaqiri soll den FCB-Junioren als Vorbild dienen, dass sich Gelassenheit lohnt und der Sprung aus Basel auf höchstes Niveau möglich ist. So unterscheidet er sich von den U-17-Weltmeistern Nassim Ben Khalifa (Wolfsburg) und Haris Seferovic (Fiorentina), die GC 2010 nach erst 28 beziehungsweise 3 Schweizer Liga-Spielen verliessen und ihre Karrieren in Sackgassen führten.

Shaqiri wartete so lange, dass er nicht fürchten muss, als ein Nobody in München begrüsst zu werden. In den bevorstehenden Champions-League-Duellen (22. Februar / 13. März) wird er den künftigen Kollegen seine Dribbling- und Tempo-Teufel-Qualitäten vorzuführen versuchen. Hitzfeld nannte ihn einst Strassenfussballer. Auf die Frage, was er darunter verstehe, sagte Shaqiri: «Einer, der nicht viel denkt, der so spielt, wie er immer gespielt hat.» Auch in München sollte er so spielen wie immer. Einfach noch ein wenig besser. Wie Ronaldinho.





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