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NZZ Online, 07. Juni 2011 16:22:00

Federer in Halle nur auf Plakaten

Absage des Schweizers ist für die Macher des Rasenturniers «ein Schock»

Roger Federer (r.) zusammen mit Ralf Weber anlässlich der Unterzeichnung des Lifetime Contracts im letzten Jahr. Zoom

Roger Federer (r.) zusammen mit Ralf Weber anlässlich der Unterzeichnung des Lifetime Contracts im letzten Jahr. (Bild: Imago)

Die «Traumehe» zwischen Roger Federer und seinem Lieblingsturnier in Halle hat erste Risse – nun suchen die Veranstalter nach Wegen aus der Abhängigkeit vom Publikumsmagneten. Einen Tag nach der Absage des Schweizers kündigte Turnierdirektor Ralf Weber für das kommende Jahr Veränderungen an.

(dpa)

Die Absage Roger Federers war für die Macher des Rasenturniers in Halle ein «Schock». Für das kommende Jahr planen sie Veränderungen, auch Rafael Nadal soll umworben werden. Erstmals räumte Turnierdirektor Weber Verständnis für Federers Entscheidung ein. «Wir wollen auch an Topspieler wie Rafael Nadal und Novak Djokovic herangehen», sagte er.

Der 47-Jährige räumte in einer Pressekonferenz selbstkritisch ein, dass die Fokussierung auf Roger Federers Start – auch in Sachen Vermarktung – riskant gewesen sei. Eine mögliche Verletzung oder erschöpfungsbedingte Pause des 29-Jährigen nach dem kräftezehrenden French Open habe man «völlig ausgeblendet», so Weber, den die Nachricht aus der Schweiz «aus heiterem Himmel» erreichte: «Das war am Montag schon ein Schock.»

Absage auch für Fans eine Hiobsbotschaft

Vor allem für die Fans ist Federers Absage eine Hiobsbotschaft. Das Konterfei des fünfmaligen Champions ziert das offizielle Turnierplakat, «Roger Superstar» ist in Halle omnipräsent – nur nicht persönlich anwesend. Und das, obwohl der Grand-Slam-Rekordsieger im Vorjahr den Veranstaltern vertraglich zugesichert hatte, dass er in der Woche nach Paris immer zum Turnier nach Westfalen kommen will, sofern er gesund ist. «Aufgrund des mit ihm abgeschlossen Lifetime Contracts haben wir erwartet, dass diese Partnerschaft auch mit Leben erfüllt wird», hatte sich der verärgerte Weber in einer ersten Reaktion echauffiert.

Roger Federer begründete seinen Verzicht damit, dass er seinem Körper, vor allem der Leiste, Ruhe gönnen müsse. Andernfalls sei das Risiko zu gross, «dass es sich vor Wimbledon verschlimmern könnte». Selbst Ralf Weber konnte dies, nach einer Nacht Schlaf, nachvollziehen: «Ich kann verstehen, dass er seine Rekordserie in Wimbledon verbessern will.» Zugleich betonte er, dass er mit einer Geldstrafe für Federers Fernbleiben rechne – ganz wie es die Statuten der ATP vorschreiben.

Wahre Absagen-Flut der Stars in Halle

Familienvater Federer, der in London seinen siebten Titel anstrebt, verlängerte damit die Absagen-Flut der Stars. In Federer, Robin Söderling und Jürgen Melzer fehlen drei der fünf eingeplanten Topspieler, zudem musste der ursprünglich an Nummer 4 gesetzte Russe Michail Juschni kurzfristig verletzt passen. Und so ähnelt das Gerry Weber Open mit zehn heimischen Startern mehr und mehr einer deutschen Meisterschaft mit internationalem Anstrich.

«Ich hoffe, dass jetzt die deutschen Spieler ihre Möglichkeiten ausschöpfen», sagte Ralf Weber. Philipp Kohlschreiber konnte bei allem Verständnis für die Enttäuschung der Fans Federers Entscheidung auch etwas Positives abgewinnen. «Aus reiner Konkurrenz-Sicht ist es immer gut, wenn er nicht mitspielt, weil er das Turnier schon so oft gewonnen hat.» Sein Davis-Cup-Kollege Philipp Petzschner meinte: «Ohne Roger Federer ist es ein anderes Turnier. Da haben mehrere Leute die Chance, das Turnier zu gewinnen.»

Für 2011 plant Weber neben dem Buhlen um Nadal und Djokovic weitere Neuheiten: So soll es einen Damen-Wettbewerb mit Andrea Petkovic, Julia Görges und Co. geben. Zudem könnten weitere Altstars – wie in diesem Jahr Steffi Graf – im Rahmenprogramm auftreten. Und dann setzt Ralf Weber noch auf einen ganz speziellen Gast: «Ich würde mich freuen, wenn Roger Federer noch viele Male zu uns kommt.»





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