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NZZ Online, 05. Februar 2012 15:07:00

Der Super-Gipfel

XLVI Superbowl in Indianapolis auch ein Duell zwischen Tom Brady und Eli Manning

Tom Brady bereitet sich auf eine weitere Super Bowl vor. Zoom

Tom Brady bereitet sich auf eine weitere Super Bowl vor. (Bild: Reuters)

Die Super Bowl XLVI wird schon im Vorfeld mit Superlativen eingedeckt. In Indianapolis treffen die New England Patriots und die New York Giants aufeinander (0 Uhr 30 MEZ). Neben der grossen Rivalität zwischen Boston und New York steht das Duell der beiden besten Spielmacher im Mittelpunkt

Christoph Fisch und Rod Ackermann

Amerika ist das Land der Freiheit, ausser im Profisport: Man spielt dort, wohin der Draft einen verschlägt. Der Begriff umschreibt die militärische Einberufung in Kriegszeiten wie auch die Zuteilung zu einem Sport-Team.

Thomas Edward Patrick Brady oder kurz Tom Brady hatte das Glück, in Friedenszeiten aufzuwachsen. Als Kind einer irischstämmigen Familie in San Matteo, südlich von San Francisco. Der California Boy eiferte seinen drei sportverrückten Schwestern nach, zeigte in vielen Sportarten Talent. Als 18-jähriger Schulabgänger wurde er 1995 vom damaligen Baseball-Team Montreal Expos gedraftet. Doch Brady schwebte anderes vor. Und das, seit er als Vierjähriger Spiele der San Francisco 49ers besucht hatte.

Joe Montana führte damals die Niners von Erfolg zu Erfolg. Brady wusste: Er wollte wie dieser Quarterback werden, den alle «Joe cool» nannten. Also entschied er sich nach der Schule gegen Baseball und für Football und für ein Studium an der University of Michigan, einer der ersten Football-Adressen. Vier Jahre später wurde er wieder gedraftet – von den New England Patriots in Boston, als Nr. 199, in der vorletzten Runde der Ziehung überhaupt. Zwei Jahre später war er die Nr. 1 – nicht nur bei den Patriots, sondern landesweit. In seiner ersten Saison als Starting Quarterback gewann New England die Super Bowl. Wieder zwei Jahre später waren's drei Titel.

Am Sonntag steht der mittlerweile 34-Jährige ein Spiel davon entfernt, sein Idol einzuholen. In seinem fünften Final kann er mit dem vierfachen Sieger Montana gleichziehen. Ironie des Vergleichs: Während Montana aus dem Grossraum Pittsburgh, der Heimat des sechsfachen Super-Bowl-Siegers Steelers, in San Francisco den unvergleichlichen Gold-Rush der 49ers in den achtziger Jahren lostrat, musste The Frisco Kid Brady an die Ostküste übersiedeln für eine ähnliche Erfolgsstory.

Die Coolness Montanas ist auch Brady eigen – mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie sein Vorbild pflegt er Spiele in den letzten Minuten zu kehren. Noch liegt der Vorteil bei Montana, dessen berühmtester Last-Minute-Sieg in der Super Bowl 1989 durch einen Touchdown-Pass zu- stande kam, während Brady zweimal (2001/03) die Hilfe des Kickers in Anspruch nehmen musste. Und: Montana brauchte nur vier Finals für vier Siege.

Die Coolness begleitet Brady auch neben dem Spielfeld. Und hier sticht er Montana aus: Obwohl Letzterer ganz California Style (u. a.) eine Schauspielerin heiratete, Pferde züchtet und Wein anbaut, spielt Brady privat in einer höheren Liga, ja in seiner eigenen Liga. Die Liaison mit einer Actress (Bridget Moynahan), der ein Sohn entsprang, war nur eine Episode auf dem Weg in die Glamour-Welt.

Seit drei Jahren ist Brady mit Gisele Bündchen verheiratet, dem bestbezahlten Model der Welt, das es nicht nur aufs Cover der «Vogue» schafft, sondern auch in den Rankings des Wirtschaftsmagazins «Forbes» auftaucht. Die beiden, die einen zweijährigen Sohn haben, gelten zudem als bestverdienendes Paar – Angelina & Brad haben das Nachsehen.

Wenn wir schon dabei sind: Tom ist einkommensmässig nur die Nr. 2 im Hause Brady-Bündchen. Aber das ist er sich gewohnt. Sein Vater, erfolgreicher Geschäftsmann in der Versicherungsbranche, verdiente lange Zeit mehr, selbst als der Sohn schon Super Bowls gewonnen hatte. Die Dimensionen sind zurechtgerückt, seit Brady jun. 2010 einen Vierjahresvertrag über 72 Millionen Dollar unterschrieben hat. Und seiner Gattin bringt er am Sonntag vielleicht einen Super-Bowl-Ring nach Hause. Der ist unbezahlbar.





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