NZZ Online, 13. November 2011 19:47:00
Befreiungsschlag von Lewis Hamilton
Der Brite Sieger des Formel-1-Rennens in Abu Dhabi – Vettel früh ausgeschieden
Lewis Hamilton - ein überlegener Sieger in Abu Dhabi. (Bild: Reuters)
Der Formel-1-GP in Abu Dhabi hat mit einer grossen Überraschung geendet. Nachdem beide Red-Bull-Cracks nicht ins Ziel kamen, war die Fahrt frei für den Mc-Laren-Mercedes-Star Lewis Hamilton. Der Brite siegte vor Fernando Alonso und Jenson Button.
Elmar Brümmer, Abu Dhabi
An der Stätte seines letztjährigen Triumphes erlebt der Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel die grösste Enttäuschung der Saison. Zum 14. Mal in diesem Jahr startet er aus der Pole-Position, womit er den 1992 von Nigel Mansell aufgestellten Rekord egalisiert hat. Doch die Freude währt am GP von Abu Dhabi nur ein paar hundert Meter.
Vettel hat sich von seinen Verfolgern absetzen können, aber schon ausgangs der Startkurve merkt er, dass etwas nicht stimmt. Sein rechter Hinterreifen verliert Luft, in der zweiten Kurve ist er dann ganz platt. Vettel kreiselt, rutscht in die Auslaufzone und muss fünf Kilometer auf der Felge zurücklegen. Bis er in der Boxengasse ankommt, ist der Reifen komplett explodiert, sind in der Folge Radaufhängung, Auspuff und Unterboden schwer beschädigt. Für den Deutschen ist es heuer der erste Ausfall, und statt des typischen Vettel-Fingers gibt es diesmal die ganze Faust zu sehen, die auf das Lenkrad einhämmert.
Jäger auf dem Podium
Nach dem ersten Frust folgt die Analyse. Vettel beugt sich über einen Laptop und stöbert in den Telemetrie-Daten nach der Ursache der Panne – bis jetzt noch vergeblich. Anschliessend setzt er sich an den Kommando-Stand von Red Bull und findet die Perspektive so spannend, dass er bis zur Zieldurchfahrt dort bleibt und mit an der Taktik seines Teamkollegen Mark Webber bastelt. «Das ärgert einen schon. Wir müssen jetzt die genaue Ursache finden», sagt Vettel.
Webber wird Vierter, und auf dem Podium versammeln sich diejenigen, die in der kommenden Saison als erste Jäger des verlorenen Platzes gelten. Lewis Hamilton gibt mit dem dritten Saisonsieg die richtige Antwort auf seine privaten Probleme; Fernando Alonso hat sich am Ort des Final-Desasters vom Vorjahr rehabilitiert; Jenson Button beweist als Dritter einmal mehr seine strategischen Qualitäten. Das Rennen um den zweiten Platz in der WM ist vor dem Finale in zwei Wochen in São Paulo noch offen. Button (255 Punkte) liegt vor Alonso (245) und Webber (233), Hamilton (227) hat keine Chance mehr.
Doch der Brite, der nach der Trennung von der Lebensgefährtin Nicole Scherzinger zuletzt mehr durch private Schlagzeilen aufgefallen war und sich auf der Rennstrecke gelegentlich in Rambo-Manier danebenbenommen hatte, sieht sich auf dem Weg zurück zur Normalform. Ein Befreiungsschlag nach vier Monaten, wie er sagt: «Ich hatte schon einige interessante Siege, aber dieser ist einer meiner besten. Ich habe nicht einen einzigen Fehler gemacht. Dabei stand ich in der Zeit vor dem Rennen ziemlich unter Druck, und um mich herum gab es einige Zweifel.»
Buemi bleibt ein Pechvogel
Der Kampf im Mittelfeld wird härter denn je geführt, was das vorletzte Saisonrennen belebt hat. Sébastien Buemi bleibt dabei ein Pechvogel. Der Schweizer, der um seine Vertragsverlängerung kämpft, hatte sich vom 13. Startplatz aus zeitweilig bis auf Rang 7 vorgeschoben, in der 20. von 55 Runden aber kam das Aus für den Toro-Rosso-Fahrer – ein Hydraulik-Leck blockierte das Getriebe. Ein Schicksal, wie er es in ähnlich aussichtsreicher Position schon in Indien erlitten hatte. Insgesamt ist es sein dritter unverschuldeter Ausfall in den letzten vier Rennen. Profiteure waren die von Adrian Sutil und Paul di Resta gesteuerten Force-India-Boliden, die auf den Rängen 8 und 9 abgewinkt wurden.
Der letzte Punkt ging – nach dreieinhalb Monaten Abstinenz – an Kamui Kobayashi im Sauber-Rennwagen, der vom 16. Platz gestartet war. Sein Teamkollege Sergio Perez, der durch einen Auffahrunfall in der ersten Runde handicapiert war, wurde Elfter. In der Konstrukteurs-Wertung bleibt Force India mit 57 Punkten und ausgebautem Vorsprung Sechster vor Sauber (42) und Toro Rosso (41).
Das Rennen vom Sonntag in Zahlen
Abu Dhabi. Grand Prix der Vereinigten Arabischen Emirate. Endstand nach 55 Runden: 1. Lewis Hamilton (Gb), McLaren-Mercedes. 2. Fernando Alonso (Sp), Ferrari, 8,4 Sekunden zurück. 3. Jenson Button (Gb), McLaren-Mercedes, 25,8. 4. Mark Webber (Au), Red Bull-Renault, 35,7. 5. Felipe Massa (Br), Ferrari, 50,5. 6. Nico Rosberg (De), Mercedes, 52,3. 7. Michael Schumacher (De), Mercedes, 75,9. 8. Adrian Sutil (De), Force India-Mercedes, 77,1. 9. eine Runde zurück: Paul di Resta (Gb), Force India-Mercedes. 10. Kamui Kobayashi (Jap), Sauber-Ferrari. 11. Sergio Pérez (Mex), Sauber-Ferrari. - Ausgeschieden u.a.: Sebastian Vettel (De), Red Bull-Renault; Sébastien Buemi (Sz), Toro Rosso-Ferrari.
WM-Stand (18/19). Fahrer: 1. Vettel 374. 2. Button 255. 3. Alonso 245. 4. Webber 233. 5. Hamilton 227. - Teams: 1. Red Bull-Renault 607. - 6. Force India-Mercedes 57. 7. Sauber-Ferrari 42. 8. Toro Rosso-Ferrari 41.
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