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NZZ Online, 12. Januar 2012 09:37:00

Ballack stärkt seine Defensive

Aussöhnung zwischen DFB und dem Ex-Nationalspieler an Hoeness' Geburtstagsnachfeier zweifelhaft

Nach dem WM-2010-Qualifikationsspiel gegen Aserbeidschan in Hannover: Ballack bedankt sich bei den Fans. Zoom

Nach dem WM-2010-Qualifikationsspiel gegen Aserbeidschan in Hannover: Ballack bedankt sich bei den Fans. (Bild: Keystone / MacDougall)

Die vom Deutschen Fussball-Bund anvisierte Versöhnung mit Bundestrainer Löw ist für den früheren Captain der deutschen Nationalmannschaft, Michael Ballack, keineswegs prioritär. Dabei soll der Schauplatz einer ersten Annährung Uli Hoeness’ Geburtstagsnachfeier am Freitag sein.

wan. Am Freitag dieser Woche feiert der langjährige Manager und heutige Klubpräsident des FC Bayern München, Uli Hoeness, seinen 60. Geburtstag nach. 500 Gäste sind geladen, weshalb Hoeness seinen Ehrentag nicht im heimischen Garten am Tegernsee begeht, sondern im Münchner «Postpalast», jener Lokalität, die nicht nur mit einer Bruttofläche von 3000 Quadratmetern, acht Metern Deckenhöhe und einer 20 Meter hohen Dachkuppel für sich wirbt, sondern sich auch als «aussergewöhnliche Location für sonstige Events hervorragend geeignet» verkauft.

Eine taktisch gute Schulung vorausgesetzt, bietet das im Zentrum der Stadt unweit des Hauptbahnhofs gelegene frühere Paketzustellamt genügend Raum, um sich aus dem Weg zu gehen. Aber so ist es gar nicht gedacht vom designierten DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, der die Festlichkeit unlängst zum Schauplatz einer ersten Annährung zwischen dem früheren Captain der deutschen Fussball-Nationalmannschaft, Michael Ballack, und den DFB-Granden auserkoren hat.

Dieser Weg wird kein leichter sein. Hatte der derzeit mit Bayer Leverkusen im portugiesischen Lagos im Trainingslager weilende Ballack am Montag noch verlautbart, das es am Rande des Hoenessschen Geburtstags «ein Gespräch mit Wolfgang Niersbach geben» werde, so waren dem 35-Jährigen am Mittwoch offenbar schon wieder Lust und Laune auf eine Versöhnung vergangen.

«Sicherlich wird man in der Zukunft ein Gespräch führen, aber ob das zeitnah sein wird oder in ein paar Wochen oder ein paar Monaten oder gar nicht, dazu kann ich mich im Moment nicht äussern», sagte Ballack in Lagos, und er stellte klar: «Wenn es dazu kommen würde, dann sollte es kein Thema für die Öffentlichkeit sein. Wenn es etwas zu verkünden gibt, dann werden wir das tun, aber im Moment sieht es nicht danach aus.»

Sein letztes Länderspiel hat Ballack am 3. März 2010 (0:1 gegen Argentinien in München) absolviert, die Weltmeisterschaft in Südafrika verpasste er nach einem schweren Foulspiel vom heute erfolgreich in der AC Milan spielenden Kevin-Prince Boateng im englischen Cup-Final verletzungsbedingt. Seit der Bundestrainer Löw dem unstrittig verdienten Nationalspieler am 16. Juni 2011 mitteilte, nicht mehr mit dem gebürtigen Görlitzer zu planen und Ballack das für den 10. August als «würdigen Abschied von der Nationalmannschaft» gedachte Freundschaftsspiel gegen Brasilien platzen liess («eine Farce»), haben sich die Fronten als verhärtet dargestellt.

Vor allem Löw hat am Ende des letzten Jahres mehr als einmal bekundet, dass ihm an einer Aussprache gelegen sei, denn «wir alle, damit meine ich alle, die da beteiligt waren, hätten diese Sache besser lösen müssen», wie er einem TV-Sender mit Bedauern sagte.

Zuletzt hatten sich vor allem Bayer-Sportdirektor Rudi Völler und der Geschäftsführer des Klubs, Wolfgang Holzhäuser, vehement dafür stark gemacht, dass der einstige Führungsspieler vom DFB seinen Verdiensten entsprechend verabschiedet wird. Völler hat einst als Nationalcoach an den WM 2002 in Japan und Südkorea von Ballacks Schaffenskraft massgeblich profitiert, als jener das jeweils einzige Tor bei den 1:0-Siegen in den K.-o.-Spielen gegen die USA und Südkorea erzielte.

Unter anderem jene Momente muss Ballack vor Augen gehabt haben, als er sagte: «Wenn man auf meine Karriere zurückblickt und auf das, was ich für die Nationalmannschaft geleistet habe in den letzten Jahren oder Jahrzehnten, dann ist es, glaube ich, nur selbstverständlich, wenn der eine oder andere dort versucht, für mich einen würdigen Abschied zu finden.»

In einem offiziellen Abschiedsspiel wird eine wie und wann auch immer zustande kommende Aussöhnung aber keinesfalls kulminieren. Der DFB hat es seit 1994 abgeschafft. Matches zu Ehren von Lothar Matthäus und Oliver Kahn hatte daraufhin der FC Bayern organisiert. Das Geburtstagskind, Uli Hoeness, hatte dabei eine nicht unwesentliche Rolle inne.





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