Neue Zürcher Zeitung, 06. Februar 2012 00:00:00
Alte Verhaltensmuster Luganos
Der Wechsel der Klubkultur im Tessiner Eishockeyklub fällt nicht leicht
Lugano verliert das letzte Spiel vor der Nationalteam-Pause. Der Klub zeigt positive Tendenzen, auch wenn alte Verhaltensmuster schwer zu überwinden sind.
Hermann Pedergnana
Der HC Lugano blickt sowohl auf eine imposante als auch auf eine qualvolle Geschichte zurück. Imposant waren die sieben Meistertitel, qualvoll die Geschehnisse nach 2006. Trainer wurden mitten in der Saison entlassen oder liefen davon, Ausländer wurden ausgewechselt, Spieler lehnten sich auf.
Es war klar: Die Kultur musste geändert, die Macht der Spieler zurückgebunden werden. Für diese Aufgabe wurde Vicky Mantegazza ausersehen. Sie wurde nicht nur als Vorzeigefigur zur Präsidentin gewählt, sie hatte Eishockey vom Jugendalter an gelebt. Den Einblick bekam sie am Mittagstisch bei Diskussionen mit ihrem Vater Geo, der in Lugano das Sagen hatte – und das nötige Geld. Und sie sammelte Erfahrungen als Chefin des Ladies Team.
Doch im ersten Präsidialjahr sah sie sich mit alten Problemen konfrontiert. «Sie sieht die Fortschritte, die wir in dieser Saison gemacht haben. Und sie ist Realistin», sagt der Sportchef Roland Habisreutinger. Die Luganesi belegen zurzeit Platz 6; die letzte Saison schlossen sie als Zehnte ab. Das damalige Total von 55 Punkten ist längst übertroffen.
Ohne Wechsel von Trainer und Ausländern ging es auch diesmal nicht. Nach einer 0:9-Niederlage in Kloten nahm der in der NHL und der KHL erprobte Barry Smith den Hut. «Den genauen Grund für seinen Entscheid wissen wir nicht. Das Schweizer Arbeitsrecht spielte mit hinein. Er konnte nicht einfach Spieler auswechseln, mit denen er unzufrieden war», sagt Habisreutinger.
Die Ausbeute unter Smith und jene unter seinem Nachfolger Larry Huras sind fast identisch. Unter Smith brachte es Lugano in 20 Spielen auf 32 Punkte, unter Huras in 25 auf 37. Neu dazugekommen sind im Laufe der Saison der Verteidiger Hendry und der Center McLean, den Huras seinerzeit beim SCB schätzen gelernt hatte. Sie hätten einen defensiv gut arbeitenden Mittelstürmer benötigt, denn die übrigen drei seien extrem offensiv ausgerichtet, so begründet Habisreutinger das Engagement McLeans. Wider Erwarten habe sich dieser gar zu einer Tormaschine entwickelt, mit einem Treffer pro Spiel, so staunt Huras selber über seinen Fang.
Mit jedem zweiten Match sei er zufrieden, sagt Habisreutinger, doch gleich danach fehle jeweils die Bestätigung. Ein Beispiel gab der letzte Auftritt in Kloten ab, als die Mannschaft schon in den ersten 53 Sekunden 0:2 in Rückstand geriet, das 4:4 verpasste und 3:6 verlor. Zuvor hatte Lugano drei Partien hintereinander gegen Klubs aus dem untersten Segment gewonnen. Diese Teams hätten nicht ein so hohes Tempo vorgegeben wie die Flyers, sagt Huras. Darum sei wichtig, sich bis zu den Play-offs schwierigen Gegnern und ihrem hohen Rhythmus zu stellen. Bis dahin dürften auch die verletzten Hirschi, Reuille, Rintanen und vielleicht sogar Niedermayer einsatzfähig sein.
Bessere Perspektiven eröffnet die nächste Saison. Mit Bednar, Nummelin, McLean und dem dazustossenden Metropolit sind vier Ausländerlizenzen vergeben. Als Torhüter kommt Manzato. Was mit dem Goalie Conz passiert, lässt Habisreutinger offen. Es gebe mehrere Varianten, aber sicher wolle Lugano keine Leihgebühr mehr nach Genf entrichten. Dorthin kehrt Romy zurück, einer jener zu wenig ans Backchecking denkenden Center. Dass an einigen Spielern der Zahn der Zeit nagt, ist sich Habisreutinger bewusst. Das Alter wirke sich wie bei Nummelin oder Rintanen vor allem bei der länger dauernden Rehabilitation aus.
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