Warten auf die Kandidaten aus der Romandie

12. Juli 2017, 05:18

Karussell Mit dem gestrigen Entscheid des Vorstands der Tessiner FDP, nur einen Kandidaten für die Nachfolge von Didier Burkhalter ins Rennen zu schicken, rückt die Westschweiz noch stärker in den Fokus. Da die FDP-Fraktion der Bundesversammlung kaum nur ein Einerticket vorlegen dürfte, ist neben Ignazio Cassis noch mindestens ein Platz auf dem Kandidatenkarussell frei.

«Nun gilt es, zunächst den definitiven Beschluss der FDP Tessin vom 1. August abzuwarten», sagt der Präsident der FDP Waadt, Frédéric Borloz. «Wenn die Tessiner an ihrer Strategie festhalten, dann braucht es aber auf jeden Fall eine Kandidatin oder einen Kandidaten aus der Romandie.» Mit der Romandie meint Borloz in erster Linie die Waadt: «Wir werden bei der Bundesratswahl eine Rolle spielen.» Mehr als einen Anwärter werde aber auch seine Kantonalpartei nicht ins Rennen schicken, so Borloz, «das wäre nicht in unserem Interesse». Die Waadtländer lassen sich bei der Auslese länger Zeit als die Tessiner: Bis am 8. August nimmt der Vorstand Bewerbungen entgegen, zwei Tage später beschliesst die FDP Waadt dann ihre Strategie. Ihr grundsätzliches Interesse angemeldet haben bislang zwei Frauen: Nationalrätin Isabelle Moret und Regierungsrätin Jacqueline de Quattro.

Auch Jacques Bourgeois bekundet Interesse

Zur Geschlechterfrage haben sich zuletzt die Präsidenten der Sozialdemokraten und der Grünliberalen geäussert: SP-Präsident Christian Levrat bezeichnete die Freisinnigen als Partei, der die Frauenfrage «offensichtlich egal» sei. Und der designierte GLP-Chef Jürg Grossen sagte gegenüber dem «Blick», er sähe lieber eine dritte Frau als einen Tessiner in der Landesregierung.

Neben dem Geschlecht geht es Mitte-links aber wohl auch um die politische Ausrichtung: Wie die Tessinerin Laura Sadis, die seit gestern aus dem Rennen sein dürfte, politisiert auch Moret innerhalb der FDP links der Mitte. Ausschliesslich aus Männern setzt sich der Kandidatenreigen im Kanton Genf zusammen: Sein Interesse angemeldet hat etwa Nationalrat Christian Lüscher. Zuletzt fiel der Anwalt aber mit Ausfälligkeiten gegen einen unliebsamen Journalisten auf. Interesse bekunden soll zudem der erst 39-jährige Regierungsrat Pierre Maudet. Auch Nationalrat Benoît Genecand macht sich weiterhin Gedanken über eine Kandidatur, wie er auf Anfrage festhält. Die Anmeldefrist für die Genfer Papabili endet am 4. August. Aus Neuenburg, dem Heimatkanton von Didier Burkhalter, zeichnet sich derzeit keine Kandidatur ab. Der ehemalige Nationalrat und heutige Regierungsrat Laurent Favre hat sich aus dem Rennen genommen. Möglich ist aber eine Kandidatur aus dem Kanton Freiburg, der mit Alain Berset bereits im Bundesrat vertreten ist: Der Nationalrat und Bauernverbandsdirektor Jacques Bourgeois überlegt sich, ins Rennen zu steigen, wie er auf Anfrage sagt. «Ich werde mich bis am 10. oder 11. August entscheiden.»

Die Präsidentin der Tessiner Deputation im Bundeshaus, Roberta Pantani, äusserte vergangene Woche zwar Verständnis für die Ansprüche der Romandie. Gleichzeitig beklagte die Lega-Nationalrätin die Geringschätzung der Tessiner Anliegen in der Westschweiz. Frédéric Borloz von der FDP Waadt meint dazu: «Wir haben nichts gegen die Tessiner, im Gegenteil.» Der Wunsch des Südkantons nach einer Vertretung im Bundesrat lasse sich aber allenfalls auch zu einem späteren Zeitpunkt erfüllen. «Es zeichnen sich ja weitere Vakanzen ab.»

 

Tobias Bär

 


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