Streik der Fährschiffer im Tessin beendet

STREIK ⋅ Nach 20 Tagen im Ausstand sind die Angestellten der Fährschifffahrtsgesellschaft Lago Maggiore NLM am Samstag wieder an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt. Gewerkschaften, die Stadt Locarno und der Kanton konnten eine Einigung finden.
15. Juli 2017, 14:19

Der Kanton Tessin und die Stadt Locarno seien bereit, eine einmalige Lohngarantie von 200'000 Franken für die 34 entlassenen NLM-Angestellten zu zahlen, wie ihre Vertreter am Samstag an einer Medienkonferenz in Locarno bekanntgaben.

Die finanzielle Zuwendung sei nur eine Lösung für die "Übergangszeit", sagte der Tessiner Staatsrat Christian Vitta (FDP). Für das Jahr 2018 werde das bisherige Lohnniveau garantiert - dies war neben der Beschäftigungsgarantie eine der zentralen Forderungen der Streikenden.

An dem 200'000-Franken-Zuschuss beteiligen sich der Kanton mit 150'000 Franken und die Stadt Locarno mit 50'000 Franken.

Die Fähren im Schweizer Becken des Lago Maggiore hatten am Samstag bereits um 7 Uhr morgens wieder den Betrieb aufgenommen.

Locarno als Zünglein an der Waage

Laut den ebenfalls am Samstag anwesenden Gewerkschaftsvertretern, war es die Gemeinde Locarno, welche letztendlich half, für die "verfahrene" Situation eine erste Lösung zu finden. Locarnos Stadtpräsident Alain Scherrer (FDP) sprach von einer einstimmigen Entscheidung der Exekutive, die der gesamten Tourismusregion des Locarnese helfen solle.

Der Streik mitten in der Hochsaison sorgte für unmittelbare Einschränkungen, da im Schweizer Becken des Lago Maggiore keine Fährverbindungen angeboten werden konnten. Der Anleger in Locarno verwandelte sich in dieser Zeit in die "Streik-Zentrale" der Fährleute.

Zumindest zu den Brissago-Inseln wurden jedoch stündliche Verbindungen organisiert. Dieses Angebot erfolgte mit italienischem Personal. Die internationalen Verbindungen zwischen der Schweiz und Italien waren nicht von dem Streik betroffen.

Konsortium muss noch gebildet werden

Der Tessiner Verkehrsminister Claudio Zali (Lega) betonte am Samstag, dass noch keine endgültige Lösung gefunden worden sei, sondern nur Zeit "gekauft" worden sei um diese auszuarbeiten.

Die Einmalzahlung ist an die Voraussetzung gebunden, dass die beiden Gesellschaften NLM (Lago Maggiore) und die SNL (Lago di Lugano) ein Konsortium gründen, bei dem die 14 Festangestellten und 20 Saison-Arbeitskräfte künftig aktiv sein sollen - zwei von ihnen werden in der Zwischenzeit das Pensionsalter erreichen.

Er sei zuversichtlich, dass das Konsortium bald Realität werde, sagte der SEV-Gewerkschaftssekretär Angelo Stroppini auf Anfrage.

Der Kanton Tessin kündigte in diesem Zusammenhang an, dass ein "Businessplan" ausgearbeitet werden solle, um überhaupt Klarheit darüber zu haben, auf welcher Kostenbasis das neue Konsortium stehen werde. Ein weiteres Ziel ist die Ausarbeitung eines Gesamtarbeitsvertrags für die Beschäftigten im neuen Konsortium.

Neue Konzession sorgte für Veränderung

Der Grund für den angekündigten Stellenabbau lag auf der italienischen Seite: Ende Dezember 2016 hatten die Schweiz und Italien die Konzessionen für die beiden Schifffahrtsunternehmen auf dem Lago Maggiore und Lago di Lugano für die nächsten zehn Jahre erneuert.

In diesem Zusammenhang wurde zwar garantiert, dass beim bisherigen Fahrplanangebot und Personal keine Änderungen vorgenommen werden - allerdings nur bis Ende Dezember 2017. Als Grund für die Entlassungen wurden von verschiedenen Seiten die Verluste genannt, welche der Fährbetrieb im Schweizer Becken einfahre.

Lohnunterschiede könnten für Spannungen sorgen

Die italienische NLM, welche den Fährbetrieb auf dem Lago Maggiore verantwortet, hatte bereits im Juni angekündigt, dass das neue Konsortium sehr wahrscheinlich ab der kommenden Frühjahrssaison starten soll. Ziel sei es, "kostendeckend" zu arbeiten.

Die NLM stellte ausserdem Verbesserungen für die Fahrgäste in Aussicht: Neu können das Generalabonnement und das Halbtax akzeptiert werden. Im Rahmen eines Interreg-Programms soll ausserdem der grenzüberschreitende Pendlerverkehr verbessert werden.

Die Schweizer SNL vom Lago di Lugano teilte dagegen am Samstag mit, dass sie nicht bereit sei, einen dauerhaften Lohnunterschied zwischen den Beschäftigten der beiden Seebecken zu akzeptieren. Bei der nun ausgehandelten einmaligen Lohngarantie sei man jedoch bereit, Zugeständnisse zu machen. In jedem Fall wolle man zusammen mit der NLM daran arbeiten, nun ein Konsortium zu bilden. (sda)


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