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Tagblatt Online
18. September 2016, 09:37 Uhr
Kommentar

Weniger ist mehr

Die Pflicht zu Hundekursen ist ein überflüssiger Paragraph, findet Inland-Redaktor Tobias Gafafer.

Tobias Gafafer

Das seit 2008 geltende Obligatorium für Hundekurse soll wieder abgeschafft werden. Morgen entscheidet der Nationalrat über den Vorstoss von Ruedi Noser (FDP/ZH), dem der Ständerat bereits im Juni zugestimmt hat. Gewiss, es handelt sich nicht um das wichtigste Geschäft der Herbstsession. Doch es zeigt exemplarisch, was passiert, wenn sich die Politik vom Boulevard und von emotionalen Einzelfällen treiben lässt.

2005 töteten Pitbulls bei Zürich einen Knaben. Die Empörung über die schreckliche Attacke war gross. Der «Blick» lancierte eine Petition für ein Verbot von Kampfhunden, die 148 Parlamentarier unterzeichneten. Die Politik sah sich gezwungen, zu handeln. Bloss: Nach fünfjähriger Beratung versenkte der Nationalrat ein Hundegesetz, das dem kantonalen Flickenteppich ein Ende gesetzt hätte. Übrig blieb auf Bundesebene die Pflicht ohne Biss, eine Ausbildung mit «Sachkundenachweis» zu absolvieren. Seither müssen selbst Halter von Schosshündchen Theorie- und Praxiskurse besuchen.

Das Ergebnis ist durchzogen. Die Kurse kosten viel und bringen wenig, auch wenn sie manch einen Hundehalter zum Besuch weiterer Ausbildungen motivieren. Eine Evaluation kam zum Schluss, dass das Obligatorium wirkungslos geblieben ist. Ein Fünftel der Hundehalter ignoriert den Zwang, der schwierig zu überwachen ist. «Im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Analyse könnte man auch zum Schluss kommen», auf die Pflicht zu verzichten, schreiben die Autoren.

Der Entscheid des Ständerats ist konsequent. Und bemerkenswert, weil Politiker selten einräumen, dass sie Fehler gemacht haben. Dabei ist die Pflicht zu Hundekursen nicht der einzige überflüssige Paragraph. In den letzten Jahren erliess oder revidierte das Parlament in Bern in hoher Kadenz Gesetze. Allein auf Bundesebene kommen jedes Jahr 7000 Seiten mit neuem Recht hinzu. Es ist ein Irrglaube, jedes Problem mit einem Gesetz lösen zu können. Abhilfe könnte ein Mechanismus bringen, der für jede neue Regulierung die Streichung einer bestehenden vorsieht.



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Henrietta (18. September 2016, 10:49)
Toller Vorschlag

Ein toller Vorschlag von Tobias Gafafer, dass für jede neue Regulierung die Streichung einer bestehenden Regulierung erfolgen soll! Das wäre doch mal ein interessantes Abstimmungsthema für eine Tagblattumfrage.

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