Luftwaffenoffiziere fordern mehr Kampfjets

MILITÄRAUSGABEN ⋅ Es brauche 15 Milliarden Franken für neue Kampfjets und Fliegerabwehr, um den aktuellen Gefahren zu trotzen, sagt ein Positionspapier der Luftwaffenoffiziere.

01. Dezember 2016, 09:00
Eva Novak
Von der Ukraine über Syrien bis hin zu Libyen – die Welt sei gefährlicher geworden und die Schweiz weniger denn je in der Lage, sich zu verteidigen: So lautet der Tenor eines Positionspapiers, den aktive und ehemalige Offiziere der Schweizer Luftwaffe gestern an einem Treffen im Unternehmerforum Lilienberg zuhanden  von Bundesrat Parmelin verabschiedet haben.

Zu den Verfassern gehören Ex-Luftwaffenkommandant Markus Gygax und Patrick Richter, Präsident der Gesellschaft der Schweizer Luftwaffenoffiziere Avia, sowie zwei seiner Vorgänger. Ziel ist die Rückkehr zu einer integrierten Luftverteidigung, wie sie die Schweiz bis zur Jahrtausendwende kannte. "Mit der Gemütlichkeit ist es vorbei: Während des Kalten Krieges drohte man mit Krieg – und heute wird in Europa Krieg geführt und völkerrechtlich anerkannte Grenzen verletzt und aufgelöst", wird Strategieexperte Albert A. Stahel zitiert, der das Konzept mitentwickelt hat. Die globale Sicherheitslage präsentiere sich so dramatisch wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Damit habe auch die Bedeutung der Luftverteidigung zugenommen. Doch gerade in diesem Bereich bestünden grosse Lücken. Damit die Schweiz einen möglichen Gegner glaubhaft von einem Angriff abhalten könnte, brauche es sowohl neue bodengestützte Mittel, die mit der Sistierung des Projekts Bodluv 2020 vorerst aufs Eis gelegt wurden, als auch eine Flotte von etwa 70 Kampfjets: "Auf Kooperationen ist im Ernstfall kein Verlass, und für eine eigenständige Luftverteidigung reichen 55 Kampfflugzeuge nicht aus", sagt Avia-Präsident Richter.

Zusammen mit den nötigen Investitionen in Infrastruktur und Führungssystem ergebe das mutmassliche Kosten von 15 Milliarden Franken. "Weil wir in den letzten Jahren viel verpasst haben, ist der Einkaufszettel jetzt etwas grösser", so Richter.

Dabei müsse man dem Volk klaren Wein einschenken, erklärte Richters Vorgänger Roger Harr: "Wir dürfen die Gesamtkosten nicht verschweigen, sonst scheitern wir." Woher das Geld kommen soll, lässt das Positionspapier offen, weist aber darauf hin, dass die Forderungen ohne Erhöhung des Verteidigungsbudgets nicht zu erfüllen sind. Das Papier soll demnächst Bundesrat Parmelin sowie der Armeespitze übergeben werden.

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