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Tagblatt Online
16. September 2016, 14:25 Uhr

Ex-Unia-Chef Burger per sofort freigestellt

Aufgrund zahlreicher Vorwürfe von Mitarbeiterinnen hat die nationale Geschäftsleitung der Unia beschlossen, den zurückgetretenen Leiter der Region Zürich-Schaffhausen Roman Burger freizustellen. "Er wird zukünftig nicht mehr bei der Unia arbeiten", schreibt die Unia.

Diesen Entscheid fällte die Geschäftsleitung der Unia an einer Sondersitzung am Donnerstagabend. Dem zurückgetretenen Leiter der Unia Region Zürich-Schaffhausen wird sexuelle Belästigung mindestens einer Mitarbeiterin vorgeworfen. Burger habe "gravierende Fehler" begangen, sagte Alleva. "Ich bin erschüttert, dass bei einer Unia-Führungsperson ein solches Verhalten festgestellt werden musste."

SMS-Affäre: Unia gesteht Fehler

Unia-Präsidentin Vania Alleva gesteht Fehler in der Kommunikation rund um die SMS-Affäre von Roman Burger. Der ehemalige Leiter der Region Zürich-Schaffhausen soll im Frühjahr anzügliche SMS an eine Mitarbeiterin geschickt haben. Keystone/Silva Schnurrenberger


Sexuelle Belästigung sei nicht tolerierbar, so die Präsidentin. Was zweien Mitarbeiterinnen der Region Zürich passiert sei, tue ihr "unendlich leid und macht mich sehr betroffen." Für die Mitarbeiterinnen sichere die Unia die notwendige Unterstützung zu. Darüber hinaus wolle die Gewerkschaft 2neu aufgekommene Kritikpunkte", welche die Führung beträfen, umfassend durch eine externe Fachstelle untersuchen.

SMS-Verkehr
Die Medienkonferenz war "aufgrund der zahlreichen Medienanfragen" rund um den Konflikt in der Unia Region Zürich-Schaffhausen einberufen worden. Roman Burger hatte erst vergangene Woche seinen Rücktritt als Leiter dieser Sektion angekündigt. Er ziehe damit die Konsequenzen "aus persönlichen Verhaltensfehlern", teilte die Gewerkschaft damals mit. Eine Mitarbeiterin hatte den Austausch von SMS-Textnachrichten über mehrere Wochen als sexuelle Belästigung empfunden.
Ende April erhob sie Vorwürfe gegen Burger. Darauf wurde nach Angaben der Unia "umgehend eine externe Untersuchung eingeleitet". Diese stellte in diesem Fall eine sexuelle Belästigung durch SMS-Verkehr fest.
Der Bericht zeigte Massnahmen auf, um eine weitere Zusammenarbeit der beteiligten Personen in der Region zu ermöglichen. Burger wurde ermahnt. Burger entschuldigte sich anschliessend für sein Fehlverhalten. Doch der Druck stieg, die kritischen Medienberichte häuften sich.

Letzte Woche gab die Unia Zürich-Schaffhausen bekannt, dass Burger von all seinen Funktionen zurücktreten werde. Eine weitere Zusammenarbeit sei nicht möglich, begründete die Unia diesen Schritt. An eine Gewerkschaft würden "besonders hohe Anforderungen in Bezug auf korrektes Führungsverhalten" gestellt.
Die Leitung der Region Zürich-Schaffhausen übernahmen für die Übergangsphase Burgers Stellvertreter René Lappert und Lorenz Keller. Die Sektion soll künftig in einer Co-Leitung geführt werden. (sda)


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GeorgRitter (16. September 2016, 14:51)
Geschwätz

Dass in der Unia offenbar sehr viel unbedarft geschwätzt wird, zeigt sich schon an folgendem: Die Frau Präsidentin sagt, es tue ihr leid, was "zwei Mitarbeiterinnen" widerfahren sei, aber die vond er Unia in Auftrag gegebene Untersuchung hat ergeben, nur eine Mitarbeiterin sei belästigt oder "belästigt" worden. Wenn schon das nicht übereinstimmt, kann man getrost sagen, auch der Rest der Geschichte sei Mist. Übrigens: Anzeige erstattet worden ist nicht (könnte man!), und was pubertär per SMS hin- und her getippt worden ist (in beide Richtungen!) weiss man auch nicht. Das sind weitere Indizien, dass da wohl nicht viel Feuer hinter dem Rauch ist.

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frieda (16. September 2016, 16:46)
doch Feuer unterm Rauch

Wir als LeserInnen müssen nicht wissen, was in den SMS stand. Durch eine Veröffentlichung würde die Betroffene entwürdigt (hätte sie's toll gefunden, hätte sie sich kaum über sexuelle Belästigung beschwert). Und der Autor der SMS würde wohl nicht nur einen Shitstorm ernten sondern könnte wohl auch die Hoffnung auf eine neue Stelle begraben. Wer die Berichterstattung auch nur am Rande verfolgte, hat auch mitbekommen, dass sich inzwischen eben noch weitere Frauen gemeldet und sich über die "Avancen" des Geschassten beschwerten. Insofern ist die unterschiedliche Zahlenangabe kein Indiz für was auch immer. Die Gewerkschaft hätte den Guten wohl kaum "geschickt", wenn nicht wirklich Feuer hinterm Rauch wäre - denn Gewerkschaften funktionieren auch nicht anders als andere Betriebe: Sie hätte eher versucht, alles unter den Teppich zu kehren. Früher oder später hätte dann die Mitarbeiterin eine neue Stelle gesucht.

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meierpirmin (16. September 2016, 19:07)
Da wurde einer wie selten erledigt

Da wurde einer wie selten erledigt, jedoch trotzdem so, wie es dann und wann vorkommt. Was sind ein paar Monate Gefängnis gegen "Grüsel" mit Foto im BLICK usw. ? 1902 wurde der Priester und Schriftsteller Hch. Federer kurz nach seiner Verhafung in den Zeitungen als "Wüstling" bezeichnet, "Wolf im Schafspelz", im eigenen Lager war er ein Psychopath, bei den Gegnern ein Verbrecher. Der Freispruch in 2. Instanz nützte ihm eigentlich nichts mehr. Der Vergleich verweist nicht auf ein Unschuldslamm, sondern auf eine medienpolitische Situation.

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frieda (18. September 2016, 12:25)
vertuschungsversuche

Hinsichtlich der Veröffentlichtung von Namen und Bild stimme ich Ihnen zu - wer so bekannt wurde, hat ziemlich schlechte Zukunftsaussichten. Im vorliegenden Fall der Unia scheine ich allerdings auch recht zu haben: Gewerkschaften sind wie andere Betriebe. Wie inziwschen bekannt wurde, gab es über längere Zeit hinweg Klagen und die die Unia wollte diese unterm Deckel halten. Im Endeffekt wäre es wieder darauf hinausgelaufen - wie so oft in solchen Fällen -, dass die Opfer die Arbeitsstelle wechseln müssen und der Täter bleibt und macht weiter wie bisher. Da blieb den Opfern dann wohl nur noch der Weg an die Öffentlichkeit.

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