Schon wieder ausgeschöpft

FACHKRÄFTE ⋅ Mindestens drei Kantone haben ihre Drittstaatenkontingente für dieses Jahr bereits aufgebraucht. Der Arbeitgeberverband fordert eine Aufstockung – und warnt vor Job-Verlagerungen ins Ausland.
08. April 2018, 05:17
Maja Briner

Maja Briner

Sei es eine Informatikerin aus Indien oder ein Chemiker aus den USA: Solche Spezialisten von ausserhalb der EU können Firmen nur beschränkt in die Schweiz holen. Der Bundesrat legt die Zahl der Bewilligungen fest und teilt den Kantonen eine gewisse Anzahl zu. Diese Drittstaatenkontingente reichten jedoch auch dieses Jahr nicht weit: Mindestens drei Kantone – Zürich, Basel-Stadt und Genf – haben ihre Bewilligungen für längere Aufenthalte (Kategorie B) bereits jetzt aufgebraucht, wie sie auf Anfrage bekanntgeben.

Erich Wenzinger, Sprecher der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion, sagt: «Im Vergleich zum letzten Jahr war die Nachfrage nach B-Kontingenten im ersten Quartal 2018 sogar noch grösser.» Die knapp 250 Bewilligungen waren innert Wochen weg. Bereits Mitte Februar stellte Zürich daher einen Antrag, um zusätzliche Bewilligungen aus der Bundesreserve zu erhalten.

Ein gutes Zeichen?

Die Kantone Basel-Stadt und Genf haben ebenfalls schon beim Bund angeklopft. In Basel sind auch alle zugeteilten Kurzaufenthaltsbewilligungen ausgeschöpft. Michael Mauerhofer vom Amt für Wirtschaft und Arbeit sieht das durchaus positiv: «Das spricht für die Standortattraktivität.» Solange der Bund noch über Kontingente verfüge, sei dies kein Problem, betont er.

Ob weitere Kantone aktuell auf die Bundesreserve zurückgreifen, gibt der Bund nicht bekannt. Klar ist, dass weitere Kantone darauf angewiesen sein werden. So reichen etwa auch Zug die zugeteilten Kontingente seit jeher nicht aus, wie der zuständige Amtsleiter Bernhard Neidhart erklärt. Der Kanton pocht darauf, dass schweizweit wieder mindestens 8500 Bewilligungen zur Verfügung stehen. So hoch waren die Kontingente, bevor der Bundesrat sie nach dem Ja zur SVP-­Zuwanderungs-Initiative 2014 senkte. Inzwischen hat er sie wieder erhöht, zuletzt um weitere 500 auf aktuell 8000.

Arbeitgeber: Knappe Kontingente schaden

Das aber genüge nicht, kritisiert der Arbeitgeberverband. Eine ausreichende Versorgung mit Kontingenten sei für viele Unternehmen von «geradezu vitaler Bedeutung», sagt Arbeitsmarktexpertin Daniella Lützelschwab. Eine genügende Anzahl an Bewilligungen sichere und schaffe daher auch Stellen für inländische Arbeitskräfte. «Grundsätzlich führen zu knappe Kontingente zu einer Verlagerung von Projekten und Arbeitsplätzen ins Ausland und beeinträchtigen damit den Schweizer Arbeits- und Lehrstellenmarkt», warnt sie.

Auch die kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren (VDK) hatten letztes Jahr eine Aufstockung auf 8500 gefordert. Obwohl diese Forderung nicht erfüllt wurde, sieht VDK-Präsident Christoph Brutschin die Situation positiver als der Arbeitgeberverband. «Wir sind sehr dankbar für die Erhöhung auf 8000», sagt der Basler Regierungsrat. «Das Glas ist zu zwei Dritteln voll.» Das Szenario, vor dem der Arbeitgeberverband warne, habe sich Ende 2016 ereignet, als die Bundesreserve ausging. Damals sei womöglich das eine oder andere Projekt statt in der Schweiz im Ausland lanciert worden. «Das wollen wir verhindern», sagt Brutschin. Er geht aber davon aus, dass die 8000 Bewilligungen reichen könnten. Ob dies zutrifft, wird sich gegen Ende Jahr zeigen.


Anzeige: