Post-Chefin Ruoff bleibt angezählt

KOMMENTAR ⋅ Der Post-Verwaltungsrat spricht Susanne Ruoff das Vertrauen aus. "Das bedeutet aber keineswegs, dass die Post-Chefin nun einfach aus dem Schneider ist", schreibt Fabian Fellmann in seinem Kommentar.
15. Februar 2018, 15:43
Fabian Fellmann

Die Post-Führung versucht, das Tempo der Diskussion über die Verfehlungen bei Postauto Schweiz zu bremsen. Sie ordnet eine unabhängige Untersuchung unter der Führung des Verwaltungsratspräsidenten an. Post-Chefin Susanne Ruoff muss vorläufig auf ihren Bonus für 2017 verzichten. Dasselbe gilt für die gesamte Postauto-Geschäftsleitung, die entmachtet wird. Weiter wird die interne Aufsicht überprüft und gestärkt.

Diese Massnahmen sind ein öffentliches Zeichen, dass die Post ihr Problem ernst nimmt. Der Verwaltungsrat spricht auch Susanne Ruoff explizit das Vertrauen aus. Das ist verständlich. Die Spitze will vermeiden, dass der Konzern mitten in der Neuausrichtung führungslos wird. Es bedeutet aber keineswegs, dass die Post-Chefin nun einfach aus dem Schneider ist. Vielmehr ist sie angezählt: Es gibt Belege dafür, dass sie von den jahrelangen Gewinnverschiebungen bei Postauto Schweiz zumindest hätte wissen müssen.

Welche Rolle Ruoff wirklich spielte, werden die Untersuchung und das anstehende Strafverfahren klären. Stellt sich ihr Verhalten dabei nicht als tadellos heraus, kann sie sich nicht halten. Damit der gelbe Riese wegen dieser Unsicherheit nicht doch ins Schlingern gerät, muss der Verwaltungsrat wie versprochen bis im Mai Klarheit schaffen.

Darüber hinaus sind politische Lehren zu ziehen. Ausschreibungen von Buslinien etwa hätten wohl verhindert, dass Postauto Schweiz überzogene Preise verlangte. Zu diesem Mittel müssten Kantone und Gemeinden öfter greifen. Bundesrat und Parlament sind gehalten, die Fehlanreize bei der Subventionsvergabe und ihre widersprüchlichen Zielvorgaben für die Post selbstkritisch zu überprüfen.


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