Luftwaffe muss sich kritischen Fragen stellen

UNGLÜCK ⋅ Nach dem neuerlichen Absturz eines Flugzeugs der Schweizer Luftwaffe fordern Experten, die Armee müsse die Häufung von Vorfällen genau untersuchen.
14. September 2017, 05:20
Michel Burtscher

Es ist zu einer traurigen Regelmässigkeit geworden: Wieder einmal musste Luftwaffen-Chef Aldo C. Schellenberg vor die Medien treten, um den Absturz eines Flugzeugs zu verkünden. Das ­Unglück der Maschine des Typs PC-7 vom Dienstag reiht sich ein in eine Serie von tragischen Vorfällen in den vergangenen Jahren: Allein 2016 verunglückten ein Super-Puma-Helikopter auf dem Gotthardpass, eine F/A-18 im ­Gebiet des Sustenpasses und ein F-5 Tiger in den Niederlanden. Schnell kam deshalb auch diesmal die Frage auf, ob es einen Zusammenhang gebe zwischen den Vorfällen. Das frage er sich auch, sagte Schellenberg vor den Medien. Doch bisherige Analysen hätten gezeigt, dass es kein Muster gebe, betonte er.

Haben die Piloten zu wenig Praxiserfahrung?

Das sei auf den ersten Blick tatsächlich so, sagt Militärluftfahrt-Experte Hansjörg Egger: «Es waren Unfälle mit unter­schiedlichen Flugzeugtypen in unterschiedlichen Regionen und Situationen.» Trotzdem müsse sich die Luftwaffe kritische Fragen gefallen lassen, findet Egger. Etwa, ob der «Spardruck und die tiefe Anzahl von Armeeflugzeugen» dazu führten, dass die Piloten zu oft im Simulator sässen und dadurch zu wenig Praxiserfahrung sammeln könnten.

Egger weist zudem dar­auf hin, dass es bei den Abstürzen des PC-7 und des Super-Pumas ­zumindest eine Gemeinsamkeit gebe: Beide Male waren es Milizpiloten, die dabei tödlich verunglückt sind. «Bei ihnen muss man ganz besonders hinterfragen, ob sie genug praktische Flugerfahrung in der Luftwaffe sammeln können, um auch mit schwierigen Verhältnissen umgehen zu können», sagt Egger.

Klare Vorschriften für Milizpiloten

Dazu gibt es bei der Luftwaffe ­genaue Vorschriften: So ist festgelegt, wie viele Flugstunden und Übungen die Piloten mindestens absolvieren müssen und wie lange der maximale Unterbruch zwischen zwei Flügen sein darf. Bei der PC-7 beispielsweise gilt die Regel, dass die Milizpiloten mindestens alle 66 Tage einen Flug absolvieren müssen. «Das ist ein langer Unterbruch», findet Hansjörg Egger. Die Armee betont, dass die Piloten genug Flugpraxis sammeln könnten. Das System habe sich über Jahrzehnte bewährt und sei laufend angepasst worden, schreibt sie auf Anfrage. Zurzeit fliegen rund 140 Milizpiloten und 200 Berufsmilitärpiloten für die Luftwaffe. Einer dieser Milizpiloten ist Thomas Hurter, Schaffhauser SVP-Nationalrat und Sicherheitspolitiker. Auch er betont, dass die Schweizer Milizpiloten sehr gut ausgebildet seien und ihre Fähigkeiten auch genug oft trainieren könnten.

Der Aargauer GLP-Nationalrat Beat Flach schlägt in die ­gleiche Kerbe: «Die Schweizer Piloten gehören zur Weltspitze.» Auch er sieht kein systematisches Problem hinter der Häufung der Vorfälle. Differenzierter äussert sich die Zürcher SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf: «Ich wäre froh, wenn die Armee nochmals vertieft untersuchen würde, ob es zwischen den Vorfällen wirklich keinen Zusammenhang gibt», sagt sie.

Michel Burtscher


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