Kinder schnuppern erstmals Arbeitsluft

ZUKUNFTSTAG ⋅ Ein erstes Mal Arbeitsluft schnuppern, der Mutter oder dem Vater beim Arbeiten über die Schultern schauen: Am diesjährigen Nationalen Zukunftstag haben Tausende von Mädchen und Knaben die Gelegenheit genutzt, einen Einblick in die Berufswelt zu erhalten.
Aktualisiert: 
09.11.2017, 15:13
09. November 2017, 08:00

Am Zukunftstag begleiten Kinder ihre Eltern, ihren Götti oder ihre Gotte, Nachbarn oder Bekannte einen Tag bei der Arbeit. Immer mehr Unternehmen machen mit und öffnen ihre Türen dem interessierten Nachwuchs. Dieses Jahr nahmen rund 3500 Betriebe, Organisationen oder Hochschulen teil, wie die Veranstalter am Donnerstagmorgen mitteilten.

Praktische Einblicke gab es in so verschiedene Bereiche wie Bau, Landwirtschaft, Pflege, Schule oder Ergotherapie. Auf Twitter wurden zahlreiche Fotos gepostet, auf denen die kleinen Schnupperlehrlinge bei der Arbeit zu sehen waren.

Sitzungszimmer und Krankenwagen

Sie zeigten Kinder, die an langen Konferenztischen oder am Computer sitzen, in einer Spitalkantine die Teller schön anrichten, einen Krankenwagen von innen besichtigen oder mit Reagenzgläser hantieren. Ein Junge liess sich in Velokurier-Montur ablichten.

Auch bei der Nachrichtenagentur sda war etwa ein Dutzend Kinder zu Besuch. Der 11-jährige James zeigte sich überzeugt: "Journalisten machen etwas wichtiges für die Welt und die Schweiz". Der 13-jährige Dorian hat schon selbst Artikel verfasst - für ein kleines Lokalblatt. Er könnte sich gut vorstellen, später einmal als freier Journalist zu arbeiten, sagte er auf Anfrage.

Die 13-jährige Lin und der 12-jährige Enzo interessierten sich vor allem für die Pressefotografie. "Über diesen Beruf hört man seltsamerweise wenig, er tönt aber cool", sagte Lin. Darauf aufmerksam wurde sie über einen Familienfreund. Enzo gefällt der Gedanke, als Pressefotograf viele Länder bereisen und grosse Anlässe wie die Olympischen Spiele von nah miterleben zu können.

Vorurteilsfreie Berufswahl

Die Angebote des Zukunftstags richten sich an Schülerinnen und Schüler der 5. bis 7. Klasse. Erklärtes Ziel des Zukunftstages ist es, jungen Menschen Perspektiven aufzuzeigen und zur vorurteilsfreien Berufswahl beizutragen.

Bei ihrer Berufswahl beschränken sich Mädchen und Buben nach wie vor auf wenige geschlechtstypische Berufe und lassen unzählige Arbeitsbereiche ausser Acht, wie die Organisatoren in einer Mitteilung schreiben. Klassische Rollenbilder verharren in ihren Köpfen und hindern sie daran, ihre persönlichen Talente zu entfalten.

Der Zukunftstag soll Mädchen und Jungen erlauben, "die Seite zu wechseln" und untypische Arbeitsfelder kennenzulernen.

Buben in die Kita, Mädchen in den Wald

Den Mädchen wurde am Donnerstag beispielsweise ermöglicht, sich Waldberufe näher anzuschauen. In der Forstwirtschaft seien Frauen nach wie vor stark untervertreten, schreiben die Veranstalter. Buben wurden währenddessen dazu ermuntert, im Rahmen des Projekts "Ein Tag als Profibetreuer" Kleinkinder in die Kita zu begleiten, wo typischerweise mehr Frauen arbeiten.

Der Zukunftstag wird seit 17 Jahren durchgeführt. Entstanden ist der Nationale Zukunftstag als "Nationaler Tochtertag". Es ist ein Projekt der Gleichstellungsfachstellen und -kommissionen der mehrere Kantone sowie der Städte Bern und Zürich und des Fürstentums Liechtenstein. Er wird vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) finanziell unterstützt. (sda)


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