Hightech-Chirurgie-Ausbildung in Genf

MEDIZIN ⋅ "Die Bewegungen müssen von Beginn weg sehr exakt sein", erklärt Karim Francis ruhig einem angehenden Facharzt, der gerade dabei ist, an einem Schweinemagen einen flachen Knoten anzubringen. Der Spezialist für innere Chirurgie bringt den Neulingen die Laparoskopie bei.
02. Januar 2018, 09:00

Ort des Geschehens ist die Swiss Foundation for Innovation and Training in Surgery (SFITS) am Genfer Universitätsspital. Hinter einer Glaswand befindet sich ein weiterer Raum mit fünf Operationsplätzen, wo sich angehende Chirurgen in Arthroskopie üben. Angeleitet vom erfahrenen Orthopäden Jacques Menetrey, der mit seinen Studierenden erstmals die hochmoderne Infrastruktur des SFITS für die Ausbildung nutzt.
 

Am Universitätsspital Genf steht künftigen Chirurginnen und Chirurgen ein Hightech-Operationssaal für die Ausbildung zur Verfügung. Rund 4000 angehende Ärzte sollen jährlich ihre Geschicklichkeit üben. Im sogenannten "wetlab" können sie Operationen in realitätsgetreuem Umfeld simulieren. (Joel Espi)

Den Blick fest auf den Bildschirm gerichtet, führt ein angehender Chirurg mit feiner Hand eine Pinzette, die kleine Papierfetzen aus einem Plastikknie herausholen soll. Der Ablauf wird viele Male geübt, bevor es zum nächsten Schritt geht: Übungen an anatomischen Mustern. Am SFITS üben die angehenden Chirurgen an Leichenteilen.

Diese stammen ausschliesslich von Personen, die in der Schweiz gelebt haben, hauptsächlich von alten Menschen, die ihren Körper nach dem Tod der Wissenschaft vermacht haben. Die Leichname stammen aus den anatomischen Instituten verschiedener Kantone. Für den Umgang mit ihnen gelten laut SFITS-Direktorin Jelena Godjevac strenge ethische Regeln.

Bis Ende Oktober voll ausgebucht

Das hochmoderne Ausbildungszentrum verteilt sich auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern im siebten und achten Stockwerk des neuen Laborgebäudes des Genfer Universitätsspitals. Noch sind die blitzblank neuen Räume noch nicht voll ausgerüstet. Offiziell wird das Vorzeigestück im März eingeweiht. Allerdings ist die neue Ausbildungsstätte schon bis Ende Oktober voll ausgebucht.

Basierte die Chirurgenausbildung bisher vor allem auf dem Mentorensystem, geschieht sie künftig an Simulatoren, die technisch einen grossen Entwicklungssprung gemacht haben. Die SFITS verfügt über zwei derartige Simulatoren, die mit vier verschiedenen Modulen ausgestattet sind. Dies erlaubt den angehenden Chirurgen, verschiedene Operationstypen zu üben.

Jedes dieser hochentwickelten Geräte kostet knapp 200'000 Franken. Inklusive der für Operationssäle typischen Beep-Geräusche, welche den Studierenden authentische Ambiance bieten. Die virtuell ausgeklügelte Technologie erlaubt eine Ausbildung sehr nahe an der Realität in einem modernen Operationssaal.

Auch wenn es zuweilen fast wie ein Videospiel aussieht: Nur wer die fünf Sterne der jeweiligen Stufe erreicht, ist reif für das nächst höhere Niveau. (sda)


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