Fahrlehrer gegen 17-jährige Junglenker

STRASSENVERKEHR ⋅ Von "Pseudovorschlägen des Bundes" spricht der Schweizerische Fahrlehrer-Verband: Dass bereits 17-Jährige auf der Strasse fahren sollen und einer von zwei Weiterbildungstagen gestrichen werden soll, berge "veritable Gefahren".
05. Oktober 2017, 11:53

Der Schweizerische Fahrlehrer-Verband (SFV) hat die vorgeschlagenen Änderungen in der Fahrausbildung am Donnerstag an einer Medienkonferenz in Regensdorf ZH erneut mit scharfen Worten kritisiert: Der Bund nehme mehr tote Neulenker in Kauf.

Für die Verkehrssicherheit in der Schweiz gebe es heute eigentlich gute Noten, sagte Willi Wismer, Präsident des Zürcher Fahrlehrer-Verbandes: Die Statistiken zeigen, dass die Zahl der verletzten Junglenker gesunken sei. "Wir haben eines der besten Systeme, bei welchem Fahrlehrer und Private Hand in Hand wirken."

Dieses System soll nun umgekrempelt werden - doch die Vorlage des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) sei "eine Sudelei" und "ein Murks", sagte SFV-Präsident Urs Fasel. "Die Vorlage ist nicht nur misslungen, sie kann sogar tödlich wirken."

Das ASTRA hatte im April angekündigt, die Fahrausbildung optimieren zu wollen. An der zweistufigen Ausbildung, die 2005 eingeführt wurde und einen Fahrausweis für vorerst drei Jahre auf Probe vorsieht, soll grundsätzlich festgehalten werden.

Junglenker sollen aber neu, um Erfahrung zu sammeln, bereits mit 17 Jahren auf der Strasse zugelassen sein - die praktische Prüfung darf aber weiterhin erst mit 18 Jahren abgelegt werden. Zudem sollen die Neulenker nicht mehr zwei obligatorische Weiterbildungstage besuchen müssen, sondern nur noch einen.

Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) will die Fahrausbildung optimieren. Beispielsweise sollen künftig schon 17-Jährige mit Begleitung fahren können. Der Schweizerische Fahrlehrerverband SFV lehnt dies ab und spricht von "gefährlichen Pseudovorschlägen". (Silva Schnurrenberger)

SFV: Kurse beibehalten, aber anpassen

Für den SFV sind diese Massnahmen nicht nachvollziehbar: Inskünftig würden jährlich bis zu 40'000 unerfahrene 17-Jährige auf die ohnehin schon verstopften Strassen rausgelassen - dies könnte mehr Unfälle provozieren. Fasel sprach von einer "Gefahrenexplosion".

Zudem sei gar nicht klar, wie oft und wie weit die 17-Jährigen fahren würden, bis sie dann später die Prüfung ablegen. Das heutige System, bei dem Junglenker zunächst die ersten Strecken mit einem Fahrlehrer absolvieren und später privat die Routine holen, habe sich doch bewährt.

Auch vom Wegfall des zweiten Weiterbildungstages hält der Fahrlehrer-Verband wenig: Junglenker seien auf praktische Fahrübungen angewiesen. Die oft geäusserte Kritik, wonach der zweite obligatorische Kurstag den Lenkern bei hohen Kosten wenig bringe, konterte der SFV mit einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft (ZHAW).

Diese beinhaltet unter anderem eine Fahrsimulatorfahrt, in der zehn Teilnehmer mit verschiedenen Situationen konfrontiert wurden - etwa mit unvermittelt auf die Strasse tretenden Fussgänger, wie Markus Hackenfort, ZHAW-Professor für Verkehrs-, Sicherheits- und Umweltpsychologie, ausführte.

Signifikante Unterschiede in der "Fahrleistung vor und nach den Weiterbildungskursen" wurden gemäss Studie zwar nicht gefunden. Doch über alle kritischen Ereignisse hinweg betrachtet, ergaben sich "Veränderungen, die weniger Kollisionen und Beinahe-Unfälle und mehr unfallfrei bewältigte kritische Situationen dokumentieren".

Die Kurse sollen deshalb beibehalten, aber optimiert werden - insbesondere die Inhalte des zweiten Kurstages sollen demnach überdacht werden, wie es in den SFV-Unterlagen heisst.

Die Vernehmlassung zu den geplanten Anpassungen, die unter dem Titel "Opera-3" laufen, dauert bis 26. Oktober. Der Schweizerische Fahrlehrer-Verband weist diese gemäss Fasel zurück. Die Fahrausbildung soll stattdessen punktuell verbessert werden. (sda)


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