Fahrlehrer-Kritik an neuer Ausbildung: Eigennutzen in Alarmform

KOMMENTAR ⋅ "Mörderische Vorschläge": Die Fahrlehrer laufen Sturm gegen geplante Änderungen bei der Fahrausbildung. "Sie müssen sich nicht wundern, wenn man hinter ihrem Horrorszenario den Kampf für puren Eigennutzen wittert", schreibt Inland-Redaktor Kari Kälin in seinem Kommentar.
06. Oktober 2017, 05:20
Kari Kälin

Die Zahl der Todesopfer und Schwerverletzten im Verkehr ist in den letzten Jahren gesunken. Auch bei der Risikogruppe der Junglenker zeigt der Trend nach unten. Die verschiedenen Massnahmen für mehr Sicherheit auf der Strasse scheinen zu wirken. Jetzt plant der Bundesrat einige Änderungen bei der Fahrausbildung. Unter anderem soll man neu schon mit 17 anstatt 18 Jahren den Lernfahrausweis erhalten. Und einer der beiden obligatorischen Weiterbildungskurse für Junglenker soll entfallen. Die Reformen gehen grundsätzlich in die richtige Richtung: Sie stärken die Praxis.

Das sehen freilich nicht alle so. Der Schweizerische Fahrlehrer-Verband spricht von «mörderischen Vorschlägen». In dramatischen Worten haben die Fahrlehrer gestern vor mehr toten Junglenkern gewarnt, mit Verweis auf eine Studie, die sie selber in Auftrag gegeben haben.

Der Alarmismus ist übertrieben. Zum einen hat die besagte Studie gezeigt, dass die Junglenker nach der Weiterbildung bei vielen Kriterien gar nicht signifikant besser abschneiden als vor der Weiterbildung. Das deckt sich mit Erkenntnissen der Beratungsstelle für Unfallverhütung, die schon früher zu ähnlichen Schlüssen gelangte. Zum andern weiss man aus der Forschung, welche Massnahmen am besten wirken: Die Probezeit und die damit angedrohten scharfen Sanktionen bei gröberen Verkehrsregelverletzungen. Die Fahrlehrer müssen sich nicht wundern, wenn man hinter ihrem Horrorszenario den Kampf für puren Eigennutzen wittert: Die Beibehaltung von zwei obligatorischen Weiterbildungskursen, die viele Junglenker unnütz finden – und vor allem zu teuer.

Kari Kälin
schweiz@tagblatt.ch



 


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