Ehemaliger Post-Präsident weist Vorwürfe zurück

KRITIK ⋅ Gemäss internen Dokumenten wurde die Führung der Post schon 2013 darüber informiert, dass Postauto Schweiz Steuergelder abzweigte. Der frühere Post-Präsident Peter Hasler verteidigt das Vorgehen des Verwaltungsrats.
08. Februar 2018, 16:42
FABIAN FELLMANN
Die Schummeleien von Postauto Schweiz mit öffentlichen Beiträgen wurden der Postspitze 2013 gemeldet: Das belegen Dokumente, welche der «Blick» veröffentlicht hat. Der damalige Post-Verwaltungsratspräsident Peter Hasler weist die Kritik zurück. «Der Verwaltungsrat der Post hat in meiner Amtszeit von illegalen Buchungen und Umbuchungen bei Postauto Schweiz nichts gewusst», sagt Hasler. Der vorherige Direktor des Arbeitgeberverbands trat das Amt des Postpräsidenten 2010 an; 2016 legte er das Amt kurz nach seinem 70. Geburtstag nieder, sein Nachfolger wurde der heutige Postpräsident und frühere CVP-Ständerat Urs Schwaller. Dieser will sich nun persönlich um die Aufklärung der Subventionsaffäre bei Postauto Schweiz kümmern. Die Post-Tochter hatte in den Jahren 2007 bis 2016 über 100 Millionen Franken Steuergelder von Bund und Kantonen widerrechtlich kassiert, indem sie die Gewinne im subventionierten Betrieb kleinrechnete.
 
Hasler bricht nun eine Lanze für die Post: «Ich habe ein sehr gutes Gefühl, was die Redlichkeit und Lauterkeit bei der Post betrifft.» Die Aussagekraft der nun publik gewordenen Dokumente werde übertrieben, sagt der frühere Post-Präsident. «Die öffentlich gewordene Aktennotiz ist nur eine von sehr vielen Mitteilungen und Berichten, welche der zuständige Verwaltungsratssausschuss von der internen Revision erhält. Sie hat eine untergeordnete Bedeutung im Unterschied zu Revisionsberichten», sagt Hasler. «Schreibweise und Art der Aktennotiz erkenne ich wieder, es handelt sich sicher um ein Originaldokument. Aber an diese Notiz erinnere ich mich nicht. Das wäre auch völlig unmöglich angesichts der Tausenden von Seiten, die ein Verwaltungsrat jährlich lesen muss.» Der Verwaltungsrat habe damals entscheiden müssen, wie er auf das Dokument reagieren sollte. «Die Aktennotiz hält fest, dass die Geschäftsleitung von Postauto mit der Konzernleitung und dem Regulator eine Lösung sucht. Die interne Revision verneinte einen Handlungsbedarf des Verwaltungsrates», sagt Hasler. «Für mich war der Fall damit abgeschlossen, und ich würde auch heute gleich auf diese Notiz reagieren.»

Postchefin Susanne Ruoff nimmt Hasler indirekt in Schutz: «Wenn weder die interne noch die externe Revision und auch der Bund nichts merken, weiss ich nicht, wer sonst darauf aufmerksam werden sollte.» Allerdings sieht auch Hasler nun Handlungsbedarf. «Dass offenbar Millionen jahrelang an allen Kontrollen vorbeigeschmuggelt werden konnten, ruft nach organisatorischen Veränderungen. Die heutige Konzernleitung wird Wege finden um zu verhindern, dass so etwas noch einmal vorkommen kann.»

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