Abgestürzter Militärpilot geborgen

LUFTWAFFE ⋅ Der am Dienstag beim Absturz eines PC-7-Trainingsflugzeugs gestorbene Militärpilot ist am Mittwochabend geborgen worden. Vorher hatten Nebel und Schnee entsprechende Einsätze in dem schwierigen Gelände verhindert.
14. September 2017, 09:17

Die Bergung des Leichnams teilte Armeesprecherin Delphine Allemand am Donnerstagmorgen mit. Weitere Details würden nicht bekanntgegeben, hiess es weiter.

Das Propellerflugzeug war am Dienstag am Schreckhorn oberhalb von Grindelwald abgestürzt. Mit der Bergung der Wrackteile rechnete die Luftwaffe in den kommenden Tagen. Die Schweizer Armee hatte das Gebiet rund um die Absturzstelle für Berggänger gesperrt. Über der Stelle galt eine Flugverbotszone von fünf Kilometern Radius, um den Luftraum für Bergungsflüge frei zu halten.

Der Milizmilitärpilot war am Dienstag gegen 8.30 Uhr mit dem Propellerflugzeug vom Flugplatz Payerne in der Waadt gestartet und hätte um etwa 9.30 Uhr in Locarno im Tessin landen sollen. Weil er dort nicht planmässig ankam, wurde eine Suchaktion gestartet.

Am Nachmittag wurde die abgestürzte Maschine im Gebiet des Schreckhorns in den Berner Alpen gesichtet. Zum Piloten machte die Luftwaffe keine weiteren Angaben, zu seinem Schutz und zum Schutz seiner Angehörigen. Eine Untersuchung der Militärjustiz läuft. (sda)

Luftwaffe muss sich kritischen Fragen stellen

Es ist zu einer traurigen Regelmässigkeit geworden: Wieder einmal musste Luftwaffen-Chef Aldo C. Schellenberg vor die Medien treten, um den Absturz eines Flugzeugs zu verkünden. Das ­Unglück der Maschine des Typs PC-7 vom Dienstag reiht sich ein in eine Serie von tragischen Vorfällen in den vergangenen Jahren: Allein 2016 verunglückten ein Super-Puma-Helikopter auf dem Gotthardpass, eine F/A-18 im ­Gebiet des Sustenpasses und ein F-5 Tiger in den Niederlanden. Schnell kam deshalb auch diesmal die Frage auf, ob es einen Zusammenhang gebe zwischen den Vorfällen. Das frage er sich auch, sagte Schellenberg vor den Medien. Doch bisherige Analysen hätten gezeigt, dass es kein Muster gebe, betonte er.

Haben die Piloten zu wenig Praxiserfahrung?
Das sei auf den ersten Blick tatsächlich so, sagt Militärluftfahrt-Experte Hansjörg Egger: «Es waren Unfälle mit unter­schiedlichen Flugzeugtypen in unterschiedlichen Regionen und Situationen.» Trotzdem müsse sich die Luftwaffe kritische Fragen gefallen lassen, findet Egger. Etwa, ob der «Spardruck und die tiefe Anzahl von Armeeflugzeugen» dazu führten, dass die Piloten zu oft im Simulator sässen und dadurch zu wenig Praxiserfahrung sammeln könnten.

Egger weist zudem dar­auf hin, dass es bei den Abstürzen des PC-7 und des Super-Pumas ­zumindest eine Gemeinsamkeit gebe: Beide Male waren es Milizpiloten, die dabei tödlich verunglückt sind. «Bei ihnen muss man ganz besonders hinterfragen, ob sie genug praktische Flugerfahrung in der Luftwaffe sammeln können, um auch mit schwierigen Verhältnissen umgehen zu können», sagt Egger.

Klare Vorschriften für Milizpiloten
Dazu gibt es bei der Luftwaffe ­genaue Vorschriften: So ist festgelegt, wie viele Flugstunden und Übungen die Piloten mindestens absolvieren müssen und wie lange der maximale Unterbruch zwischen zwei Flügen sein darf. Bei der PC-7 beispielsweise gilt die Regel, dass die Milizpiloten mindestens alle 66 Tage einen Flug absolvieren müssen. «Das ist ein langer Unterbruch», findet Hansjörg Egger. Die Armee betont, dass die Piloten genug Flugpraxis sammeln könnten. Das System habe sich über Jahrzehnte bewährt und sei laufend angepasst worden, schreibt sie auf Anfrage. Zurzeit fliegen rund 140 Milizpiloten und 200 Berufsmilitärpiloten für die Luftwaffe. Einer dieser Milizpiloten ist Thomas Hurter, Schaffhauser SVP-Nationalrat und Sicherheitspolitiker. Auch er betont, dass die Schweizer Milizpiloten sehr gut ausgebildet seien und ihre Fähigkeiten auch genug oft trainieren könnten.

Der Aargauer GLP-Nationalrat Beat Flach schlägt in die ­gleiche Kerbe: «Die Schweizer Piloten gehören zur Weltspitze.» Auch er sieht kein systematisches Problem hinter der Häufung der Vorfälle. Differenzierter äussert sich die Zürcher SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf: «Ich wäre froh, wenn die Armee nochmals vertieft untersuchen würde, ob es zwischen den Vorfällen wirklich keinen Zusammenhang gibt», sagt sie. (Michel Burtscher)


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