Schweizer Presse begrüsst Entscheid

Schmid-Rücktritt: «Richtiger Zeitpunkt»

Die Schweizer Zeitungen haben den Rücktritt von Bundesrat Samuel Schmid in den Kommentaren ihrer Donnerstagsausgaben einhellig begrüsst. Der Entscheid sei "gut für das Land" und erfolge zum "richtigen Zeitpunkt".
13. November 2008, 06:57

«Mit seinem Rücktritt per Ende Jahr nimmt Samuel Schmid den ersten Ausgang, der ihm ein halbwegs gesichtswahrendes Karriereende sichert», schreibt der «Bund». Er und seine Familie hätten am hohen Amt zuletzt offensichtlich nur noch gelitten. «Eine menschlich traurige Bilanz», folgert der Kommentator.

Schmid als Belastung
Der «Tagesanzeiger» beurteilt Schmids Rücktritt als gut für seine Gesundheit, seine Familie, die Armee und das Land. Schmid sei in letzter
Zeit zur Belastung geworden. Durch die Fehler in der Affäre Nef sei der Eindruck entstanden, der Verteidigungsminister sei seiner Führungsaufgabe nicht gewachsen.

Sämi Prinzip genügt nicht mehr
Auch die «Berner Zeitung» spricht von einem «vernünftigen Entscheid». Schmid habe in den vergangenen Monaten erkennen müssen, «dass das Sämi-Prinzip des Aussitzens von Probleme nicht mehr genügt». Er gehe «zum richtigen Zeitpunkt und unter Wahrung seines Gesichts».

«Stümperhaftes Agieren»
Die «Basler Zeitung» glaubt zwar nicht, dass Schmid wegen der Affäre Nef hätte gehen müssen. Doch der Druck auf Schmid sei immens gewesen, schreibt. Schmid habe mit seinem «stümperhaften Agieren rund um Armeechef Nef selber reichlich Nahrung für Rücktrittsforderungen geliefert».

«Nicht ganz unverschuldet»
Ganz so deutlich wird die «NZZ» nicht. Aber auch sie ist der Meinung, dass Schmid «nicht ganz unverschuldet» vorzeitig aus dem Amt scheidet. Das tiefer liegende Problem sei, dass er «in diversen gewichtigen Reformvorhaben weder im Parlament noch in Armeekreisen den notwendigen Rückhalt genossen hat».

Von Gegenern gewählt
Für den «Blick» war dies denn auch das Problem in Schmids gesamter Bundesrats-Karriere. Denn er sei vor acht Jahren «nicht von den Freunden, sondern von den Gegnern gewählt worden», als Antithese zum dominierenden Christoph Blocher. Schmid habe nun wenigstens dazu beigetragen, dass der alt Bundesrat unwählbar bleibe. (sda)


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