Offiziersgesellschaft in Geldnöten

ARMEE ⋅ Die grösste Milizorganisation der Schweiz plagen leere Kassen. Ausgerechnet Stefan Holenstein, der als Direktor des Automobilclubs der Schweiz gefeuert wurde, muss das Loch jetzt stopfen.

16. Oktober 2016, 10:17
Eva Novak

Die Lage ist dramatisch. In der Kasse der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) klafft Ende Jahr voraussichtlich ein Loch von 75 000 Franken. Kommendes Jahr droht ein weit mehr als doppelt so hoher Fehlbetrag. Wenn nichts geschieht, ist die grösste und wichtigste Milizorganisation des Landes mit 22 000 Mitgliedern bald pleite.

Dabei hat der Mann, der das schlingernde Flaggschiff der Offiziere wieder auf Kurs bringen muss, andere Sorgen. Stefan Holenstein war bis vor kurzem Direktor des Automobilclubs der Schweiz (ACS). Der Oberst im Generalstab wurde im März dieses Jahres zum neuen SOG-Präsidenten gewählt. Damals ahnte er nicht, dass wenige Monate später beim ACS ein Machtkampf eskalieren würde, der ihn nicht nur in die Schlagzeilen, sondern auch um den Job als Direktor bringen sollte.

Zentralschweizer und Bündner wehren sich

Nicht überrascht haben ihn hingegen die Finanzprobleme der SOG. Genau deswegen hätte die gleiche Delegiertenversammlung, welche Holenstein zum Präsidenten wählte, die Beiträge an den Dachverband von heute 10 auf 20 Franken pro Jahr verdoppeln sollen. Doch die Delegierten zeigten dem Vorstand die rote Karte und verschoben das Geschäft um ein Jahr.

«Wir haben den Bedarf damals nicht gesehen», sagt Florian Ulrich, Präsident der Kantonalen Offiziersgesellschaft (KOG) Luzern und ergänzt: Einen solchen sehe der Vorstand der Luzerner KOG bis heute nicht. Damit stehen die Zentralschweizer bei weitem nicht allein da. Die Bündner Offiziersgesellschaft zum Beispiel erhebt von ihren Mitgliedern einen Beitrag von 60 Franken. Davon gehen heute 10 Franken an den nationalen Verband und weitere 30 an dessen Fachorgan, die «Allgemeine schweizerische Militärzeitschrift» (ASMZ) – insgesamt also zwei Drittel. «Kommt nun eine Erhöhung des Mitgliederbeitrags, steht die Handlungsfähigkeit der Offiziersgesellschaft auf dem Spiel», warnte der Präsident der Bündner schon Anfang Jahr. Auch aus anderen Kantonen hiess es, es werde schwierig, die Beitragserhöhung gegenüber den Mitgliedern zu rechtfertigen.

Gestylte Geschäftsberichte, rote Abschlüsse

Was die Verantwortlichen in den Kantonen und Ortssektionen besonders ärgert: Die Geldprobleme haben vor drei Jahren begonnen, als ein St. Galler PR-Büro mit der Führung des zentralen Sekretariats beauftragt wurde. Das Büro, das unter anderem die Migros oder die Stadt St. Gallen zu seinen Kunden zählt, verpasste der Gesellschaft einen professionellen Auftritt. Statt, wie früher, schwarz-weiss und langfädig kommt der Geschäftsbericht jetzt übersichtlich, gestylt und mit roter Farbe dekoriert daher.

Rot sind seitdem auch die Abschlüsse. Gebracht habe die ganze Übung wenig, kritisieren viele. Es fehle «die spürbare Leistung aus einem relativ teuren Generalsekretariat», wie es der Präsident einer kantonalen Gesellschaft kürzlich formulierte. Dieses verschlinge 230 000 Franken pro Jahr – und damit um 10 000 Franken mehr, als die 22 000 Mitglieder beisteuern. Nehme man die Entschädigungen und Spesen für den Vorstand hinzu, seien es weit über 300 000 Franken. Hingegen seien «die ebenfalls sehr aufwendigen Präsidien auf Stufe Kanton und Sektion alle unentgeltlich und ehrenamtlich».

Effizienz steigern, Einnahmen erhöhen

Ohne Abstriche wird eine Beitragserhöhung schwer durchzusetzen sein. Doch wo genau will Holenstein diese vornehmen? Wie will er den Schlamassel, den seine Vorgänger angerichtet haben, ausbaden? Auf Anfrage spricht er von einem «Effizienzsteigerungsprogramm». Er wolle Kosten senken und zusätzliche Einnahmen generieren, «etwa mit Sponsoring oder Mäzenatentum», wobei es aber Abhängigkeiten zu vermeiden gelte. Konkreter will der SOG-Präsident nicht werden.

Aus gut informierten Quellen verlautet aber, dass er auf Anlässe verzichten, die Mittel dafür zusammenstreichen und sämtliche Entschädigungen kürzen wolle. Einschliesslich seiner eigenen, die um 5000 Franken auf 20 000 Franken pro Jahr sinken soll.


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