"Nein, das stoppt uns nicht"

VERHÜLLUNGSVERBOT ⋅ Die Glarner lehnten an der Landsgemeinde ein Verhüllungsverbot ab. Ist das ein Rückschlag für das Egerkinger Komitee, das mitten in der Unterschriftensammlung ist für die nationale Initiative "Ja zum Verhüllungsverbot"? Der Solothurner SVP-Nationalrat und Initiant Walter Wobmann lässt sich von diesem Nein nicht demotivieren.
08. Mai 2017, 16:16
Christa Kamm-Sager

Walter Wobmann, Sie sind mitten in der Unterschriftensammlung für die Initiative «Ja zum Verhüllungsverbot». Was bedeutet das Nein aus dem Kanton Glarus für Ihr Komitee?
Walter Wobmann:
An der Glarner Landsgemeinde wurde über einen kantonalen Vorstoss abgestimmt. Hier hat ausserdem nur ein relativ kleiner Kreis seine Stimme abgegeben - eine Landsgemeinde ist vergleichbar mit einer Gemeindeversammlung. Da gehen eher Leute hin, die obrigkeitsgläubig oder mit der Elite verhängt sind.

Gibt das Ihrem Komitee keinen Dämpfer?
Wobmann:
Nein, das stoppt uns nicht. Ich kann diese Abstimmung in Glarus gut einordnen. Wir wollen ja eine gesamtschweizerische Lösung.

Die Glarner argumentierten unter anderem damit, dass es nicht der richtige Weg sei, Kleidervorschriften in der Verfassung vorzuschreiben. Was sagen Sie dazu?
Wobmann:
Es geht bei unserer Initiative nicht um Kleidervorschriften, es geht um die Verhüllung des Gesichts, und zwar aus religiösen Gründen. Bei Hooligans oder Demonstranten sind es auch kriminelle Motive.

Unter einem Töffhelm mit verdunkelten Scheiben ist das Gesicht auch nicht erkennbar.
Wobmann;
In unserem Initiativtext ist ganz klar definiert, was als Verhüllung des Gesichts gilt. Töffhelme, Fasnachtsmasken, einheimisches Brauchtum oder ein Mundschutz aus gesundheitlichen Gründen fallen ganz klar nicht darunter.

Der Solothurner Nationalrat Walter Wobmann. Zoom

Der Solothurner Nationalrat Walter Wobmann.

Als einziger Kanton kennt nur das Tessin ein Verhüllungsverbot – mit bis jetzt zweifelhaftem Erfolg.
Wobmann:
Für uns ist der Erfolg ganz klar positiv im Tessin! Die Leute aus dem arabischen Raum werden auf das Verhüllungsverbot aufmerksam gemacht und darüber informiert. Für sie ist das kein Problem, sie zeigen Verständnis. Im Kanton Bern haben übrigens viele Hotels von sich aus die Regel, dass in ihrem Haus das Gesicht nicht verhüllt werden darf. Diese Hotels hatten nie Probleme. In unserem Kulturkreis ist es nun mal so: Wir zeigen unser Gesicht. Das ist ein Zeichen der Freiheit.

Wie weit sind Sie mit der Unterschriftensammlung für Ihre Initiative?
Wobmann:
Die Leute auf der Strasse lassen sich gern für eine Unterschrift überzeugen, wenn man sie anfragt. Unser Problem ist, dass wir eher wenig Leute haben, die Unterschriften sammeln gehen. Das ist auch tatsächlich harte Knochenarbeit. Wir haben jetzt 80'000 Unterschriften beisammen und haben noch dreieinhalb Monate Zeit. Wir müssen also noch einen zünftigen Endspurt hinlegen. Uns fehlt eine grosse Partei im Rücken. Das Egerkinger Komitee, das auch die Minarettverbotsinitiative zustande brachte, besteht aus 50, 60 Personen. Dann gibt es auch immer wieder ein paar Leute, die Unterschriftenbögen anfordern und uns dann 50 Unterschriften zusenden. Wir sind eine relativ kleine Bürgerbewegung.

5 Leserkommentare

Anzeige: