Bundesrat nimmt gefährliche Deos unter die Lupe

KREBSVERDACHT ⋅ Aluminiumsalze in Deodorants könnten krebsfördernd wirken, warnen Genfer Forscher. Der Bund plant nun, die Gefährlichkeit der Kosmetika genauer zu untersuchen.

27. November 2016, 11:49
Fabian Fellmann

Der Verdacht ist alt, doch hat er neue Nahrung erhalten: Aluminiumsalze in Deodorants sollen mitverantwortlich für die Verbreitung von Brustkrebs sein. Im September wies ein Forscherteam der Universität Genf in einer Studie nach, dass Aluminiumchlorid die Brustzellen von Labormäusen angreifen und darin Krebs erregende Wirkung entfalten kann.

Der Bundesrat zeigt sich deswegen bereit, «die gegenwärtige Situation in Bezug auf die Verwendung von Aluminium in Deodorants unter Berücksichtigung der jüngst publizierten Studien zu evaluieren». Das teilte er in dieser Woche in einer Antwort auf ein Postulat der Genfer SP-Nationalrätin Lisa Mazzone mit. «Gegebenenfalls» werde sie Massnahmen ergreifen, verspricht die Landesregierung weiter. Mazzone wünscht sich einen Warnhinweis als erste Massnahme, stellt mit ihrem Vorstoss aber auch ein Verbot in den Raum.

Alternative Produkte entwickeln

Der Bund will nun abwägen, ob solche Eingriffe nötig und verhältnismässig sind. «Für den Bundesrat ist es wichtig, dass die in Verkehr gebrachten Produkte für die Konsumentinnen und Konsumenten sicher sind», heisst es in der Antwort weiter. Mazzone ist darüber erfreut. «Wir müssen die Industrie zwingen, alternative Produkte zu entwickeln. Diese sind heute nicht einfach zu finden», sagt die 28-Jährige, die selbst auf aluminiumhaltige Deos verzichtet. Aluminiumsalze verschliessen die Poren und hemmen so den Schweissaustritt. Andere Deodorants bremsen nur die Entwicklung der Bakterien, welche den Schweiss zum Ärgernis für die Nase werden lassen. Sie gelten darum als weniger wirksam.

Die befürchteten Zusammenhänge zwischen aluminiumhaltigen Deodorants und Brustkrebs sind wissenschaftlich nicht belegt, ebenso jene über eine mögliche Rolle bei der Nervenkrankheit Alzheimer. Die Kommission für Konsumentensicherheit der Europäischen Union etwa kam 2014 zum Schluss, es gebe keine Hinweise darauf, dass der Gebrauch von Deodorants zu gefährlichen Aluminiumkonzentrationen im Körper führe. Das Wissen darüber, wie Aluminium die Haut durchdringe, sei aber ungenügend, da aussagekräftige Daten fehlten.

Der Bundesrat will nun seine weiteren Abklärungen in Zusammenarbeit mit der EU durchführen. Falls dafür ergänzende Studien nötig seien, würden für die Analyse mehrere Jahre benötigt.

Vorsicht empfohlen nach der Rasur

Das Parlament könnte den Bundesrat jedoch zurückbinden. Erst in der Sommersession hat die bürgerliche Mehrheit im Nationalrat ein ähnliches, weiter gefasstes Postulat aus den Reihen der Grünen abgelehnt. Schon damals hatte sich Bundesrat Alain Berset dafür eingesetzt, dass ihm das Parlament einen Prüfauftrag erteile, vergeblich. Mazzone hofft, dass die in der Zwischenzeit publizierte Genfer Studie ihre Ratskollegen zum Umdenken bringe.

Selbst entscheiden müssen die Konsumenten, ob sie aluminiumhaltige Deodorants weiter verwenden wollen. Ärzte und Konsumentenschützer kommen zu unterschiedlichen Schlüssen. Einige sehen keinen Handlungsbedarf, andere legen nahe, aluminiumhaltige Deos für schweisstreibende Tage aufzusparen. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt den Verzicht zumindest unmittelbar nach der Rasur und bei gereizter Haut.


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