37 Prozent befürworten Vollgeld

ABSTIMMUNG ⋅ Die Vollgeld-Initianten legen eine Umfrage vor, die ihre Chancen unterstreichen soll. Demnach halten sich Befürworter und Gegner die Waage. Die Mehrheit jedoch hat noch nie etwas von der Initiative gehört.
17. April 2018, 05:16
Roger Braun

Roger Braun

Zu kompliziert, zu tiefgreifend, zu unerprobt: Geht es um die Vollgeld-Initiative, herrscht Konsens bei Beobachtern. Sie wird keine Chance haben. Nun legt das Komitee eine Umfrage vor, die andeuten soll, dass die Initiative durchaus Erfolgschancen hat. Die Befragung wurde bereits Anfang Februar durchgeführt, da aber die Kampagne erst so langsam in Fahrt kommt, dürfte sich an den Zahlen nichts Grundsätzliches geändert haben.

Gemäss einer Onlineumfrage des Umfrageinstituts Link wollen 37 Prozent der Befragten, die schon von dem Volksbegehren ­gehört haben, der Vollgeld-Initiative zustimmen. Kritisch äusserten sich 40 Prozent der Befragten. Weitere 23 Prozent würden sich der Stimme enthalten. Unterstützung geniesst die Volksinitiative vor allem im linken Lager, wo 54 Prozent dem Begehren zustimmen. In der Mitte ist die Unterstützung mit einem Ja-Anteil von 31 Prozent am tiefsten. Im rechten politischen Spektrum wollen 40 Prozent der Initiative zustimmen. In der Westschweiz ist die Zustimmung mit einem Ja-Anteil von 58 Prozent deutlich grösser als in der Deutschschweiz, wo nur 34 Prozent zuzustimmen gedenken.

Nur wenige wissen über das Geldsystem Bescheid

Mehrere Monate vor der Abstimmung ist das kein aussergewöhnlich gutes Resultat für eine Initiative. Die meisten Volksbegehren steigen mit hohen Sympathiewerten in den Abstimmungskampf, bis die Stimmbürger ­erkennen, dass die hübsch klingende Idee gravierende Schattenseiten hat. Beispiel «No Billag»: In frühen Umfragen kündigte sich ein offenes Rennen an, schliesslich stimmten lediglich 28 Prozent für die Initiative.

Beim Vollgeld soll dies anders sein, beteuern die Initianten. Sie sehen hohen Aufklärungsbedarf und unterstreichen dies mit Zahlen. Demnach haben 60 Prozent der Befragten noch nie etwas von der Initiative gehört. Auf einen tiefen Kenntnisstand deutet auch eine Masterarbeit an der Universität Zürich aus dem Jahr 2015. Demnach gingen rund drei Viertel der Befragten davon aus, dass die Nationalbank bereits heute das alleinige Recht hat, Geld zu schaffen. Zwei Drittel hatte auch keine Idee davon, dass heute Geschäftsbanken selbst Geld schöpfen, indem sie Kredite vergeben. «Viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger verstehen nicht, wie das heutige Geldsystem funktioniert», sagt Raffael Wüthrich, Sprecher des Initiativkomitees. «Sobald die Stimmbevölkerung versteht, dass die Banken heute aus dem Nichts Geld schaffen und damit gratis einkaufen, werden sie für Vollgeld stimmen.»

FDP-Ständerat Ruedi Noser (ZH) glaubt hingegen nicht an ­einen Erfolg der Initiative. Für die Schweiz mit ihrem leistungsfähigen Finanzplatz wäre es ein «Irrsinn», als erstes Land der Welt ein Vollgeld-System einzuführen, sagt er. «Ich bin überzeugt, dass die Stimmbürger ­keine Lust auf dieses Hochrisikoexperiment haben.» Eine ähnliche Botschaft wird heute wohl Ueli Maurer verbreiten. Er tritt am Nachmittag vor die Medien und erklärt, wieso der Bundesrat die Initiative ablehnt.


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