Tagblatt Online, 24. Oktober 2008 01:05:36
Bauzonen sind zu gross und am falschen Ort
Zum erstenmal hat das Bundesamt für Raumplanung gestern verlässliche Statistiken zu den Bauzonen in der Schweiz vorgelegt. Die Zahlen zeigen: Die Reserven an eingezontem, noch nicht überbautem Land sind sehr gross, aber äusserst ungleich verteilt. Je nach Berechnungen sind ein Viertel bis ein Fünftel der gesamten Bauzonen noch nicht überbaut. Geht man davon aus, dass diese verbleibende Fläche mit derselben Dichte wie bisher überbaut würde, so entstünde Wohnraum für 1,4 bis 2,1 Millionen Menschen. Dies ist rund doppelt so viel wie bis ins Jahr 2030 voraussichtlich benötigt wird.
Die bebaute Fläche wird sehr unterschiedlich genutzt. Weil auch die zahlreichen Zweitwohnungen zu Buche schlagen, braucht ein Walliser laut Statistik mit 671 Quadratmetern heute rund sechsmal mehr Bauland als ein Bewohner des Kantons Basel-Stadt.
Ungleicher Bedarf an Bauland
Eine begleitende Studie zur Bauzonenstatistik zeigt, wo sich das Bauland bis 2030 verknappen wird. Verläuft das Wachstum in ähnlicher Art und Weise wie bisher, so wird insbesondere in den Grossregionen Bern, Zürich, Basel, Lausanne und Genf das Bauland bald knapp. Andere Regionen wie das Tessin, das Wallis und weite Teile des Mittellandes dagegen weisen viel zu grosse Bauzonen aus.
Berücksichtigt man auch die inneren Reserven in den bereits überbauten Zonen, die mit verdichtetem Bauen oder Umnutzen von Industriebrachen aktiviert werden können, so verfügt die Schweiz gemäss vorsichtiger Schätzung über 52 800 Hektaren unbebautes Bauland. Davon sind 32 500 Hektaren für Wohnen und 20 400 Hektaren für Arbeiten vorgesehen. Gemäss Studie werden bis 2030 für Arbeitszonen aber nur gegen 3700 Hektaren gebraucht und für Wohnzonen gegen 23 600 Hektaren. Mit diesen Zahlen liefert das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) den Initianten der Landschaftsinitiative einen Steilpass. Pro Natura verlangt, dass die bisherige Bauzonenfläche der Schweiz für die nächsten 20 Jahre eingefroren wird.
«Moratorium wäre machbar»
«Ein solches Moratorium wäre machbar», sagte Amtsdirektor Pierre-Alain Rumley vor den Medien: Die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz würde dadurch nicht behindert. Rumley machte gleichzeitig klar, dass er kein Verfechter eines Moratoriums ist: «Es gäbe andere Wege, die Siedlungsentwicklung besser in den Griff zu bekommen», so Rumley. (cvb)
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