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Tagblatt Online, 24. Mai 2012 01:07:00

Der Dauerkandidat

KOPF DES TAGES

SICHERHEIT, SICHERHEITSPOLITIK, WAHLVERANSTALTUNG, WAHLEN 2011, WAHLKAMPF, WAHLKAMPAGNE, KAMPAGNE, PARLAMENTSWAHLEN, WAHLEN, Zoom

Jean-Francois Rime, conseiller national et Vice-president du groupe parlementaire federal UDC suisse, parle lors du 4eme "Forum Securite Chablais" organise par l'Academie de Police et le Centre de formation du Chablais de la Securite militaire vendredi 9 septembre 2011 a Chatel-St-Denis dans le canton de Fribourg. Chaque parti a presente sa vison de la securite dans le cadre des prochaines elections federales. (KEYSTONE/Laurent Gillieron) (Bild: LAURENT GILLIERON (KEYSTONE))

Er hat kandidiert – und jetzt ist er gewählt. Dieses Szenario hat bei Jean-François Rime Seltenheitswert. Böse Zungen sprechen deshalb beim gestern zum neuen Präsidenten des Schweizerischen Gewerbeverbands gekürten Freiburger Nationalrats wenig schmeichelhaft von einem «Dauerkandidaten». Auch das verwandte Attribut des «Dauerwahlkämpfers» signalisiert, dass vor Nationalrat Rime kein Amt sicher scheint.

In der Tat: Wofür hat sich der in der SVP als treuer Parteisoldat geschätzte Freiburger nicht schon hergegeben. Zweimal (2010 und 2011) war er unter anderem bereits SVP-Bundesratskandidat. Beim erstenmal konnte Rime zumindest einen Achtungserfolg verbuchen und Zünglein an der Waage spielen. Anlässlich der Gesamterneuerungswahl im Jahr darauf zerschellten dann aber Rimes erneute Regierungsambitionen an der völlig missglückten Strategie der Partei.

Schallende Ohrfeigen

Nicht die einzige schallende Ohrfeige im politischen Leben des ewigen Kandidaten. Der mit viel Getöse vor den eidgenössischen Wahlen 2011 eingeläutete SVP-Sturm auf den Ständerat wurde auch zu Rimes persönlichem Waterloo. Er blieb chancenlos. Doch richtig ist auch: Die vielen Niederlagen scheinen Rime keineswegs beschädigt zu haben. Nimbus des Verlierers? «Das schreibt ihr Journalisten», kommentierte er kürzlich trocken. Seine Chancen auf das Präsidium des Gewerbeverbands seien durch die Wahlniederlagen der Vergangenheit nicht kleiner geworden. Jetzt hat es Rime also allen Spöttern gezeigt. Allerdings: Auch hier erst im zweiten Anlauf. Schon 2008 wollte der 61-Jährige höchster Gewerbler werden.

Ungebrochenes Selbstbewusstsein

Dass es diesmal geklappt hat, ist kein Zufall. Mit dem ihm eigenen Selbstbewusstsein machte der Kandidat selber keinen Hehl daraus, dass er sich für die Aufgabe berufen fühlt: Als im Gewerbe stark verankerter erfolgreicher Sägereiunternehmer, als klassischer KMU-Vertreter, bodenständig und wertkonservativ. Rime eckt im Parlament zudem nicht an, gilt als pragmatisch und offen. Der lediglich «angelernte» SVP-Politiker mit einer über 30jährigen Vergangenheit in der FDP ist alles andere als ein Polterer.

Und jetzt ist der Mann mit den vielen Niederlagen Herr über den mächtigsten nationalen Verband mit 300 000 Mitgliedern. Auf Augenhöhe mit Bundesräten sozusagen. Es würde wenig überraschen, wenn sich Jean-François Rime im Glanze seines Sieges nun zugute halten würde, die richtigen Niederlagen ausgewählt zu haben. Christian Kamm





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