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Tagblatt Online, 12. Januar 2012 01:07:30

Für die Informatik werben

St. Gallen - Ehrung von Donald Knuth Verleihung der Gold/Platin-Medallie SchweizerTag für Informatikunterricht Zoom

Ehrenmedaille für den Computerpionier Donald Knuth überreicht von Juraj Hromkovic von der ETH Zürich. (Bild: Ralph Ribi)

Computer Am Schweizer Tag für den Informatikunterricht der ETH Zürich wird der Computerpionier Donald Knuth in St. Gallen für sein Lebenswerk geehrt.

Bruno Knellwolf

Juraj Hromkovic muss man den Versprecher verzeihen. Den St. Galler Stefan Kölliker hat der ETH-Informatikprofessor in der Eröffnungsrede als Regierungsrat des Kantons Zürich bezeichnet. Das liegt vielleicht daran, dass der gestrige 3. Schweizer Tag des Informatikunterrichts zum ersten Mal ausserhalb der ETH Zürich abgehalten worden ist, und zwar in der Kantonsschule am Burggraben in St. Gallen.

Damit wolle man das Schweizerische an diesem Tag betonen, sagt Hromkovic und wird darin von Kölliker bestätigt, der die ETH Zürich für diesen Auszugsentscheid beglückwünscht.

Werbung nötig

Denn die Informatik hat Werbung nötig. «Uns werden in der Schweiz bald 32 000 Informatiker fehlen», sagt Hromkovic. Nach der Maturareform im Jahre 1994 habe man den Informatikunterricht an den Mittelschulen weitgehend auf die reine Anwendung des Rechners und der Software reduziert, was der Informatikprofessor für einen bildungspolitischen Fehler hält. In anderen Ländern, vor allem in den osteuropäischen, habe der Informatikunterricht dagegen viel mehr Tradition. Das führe dazu, dass die Informatik in diesen Ländern ein so hohes Ansehen habe wie die Mathematik. «Bei uns wird die Informatik in Umfragen nur als nützlich, aber nicht als spannend und nicht als Herausforderung bezeichnet», sagt Hromkovic.

Darum werden an diesem Tag des Informatikunterrichts Menschen ausgezeichnet, die sich digitale Verdienste erarbeitet haben. Wie zum Beispiel der Amerikaner Donald Knuth, ein Informatiker der ersten Stunde, der extra für die Verleihung der Gold/Platin-Medaille nach St. Gallen gereist ist. Das passt doppelt, den das Jahr 2012 ist auch das internationale «Alan-Turing-Jahr». Alan Turing ist ein Pionier des Computerzeitalters, welcher dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feierte, wäre er nicht unter tragischen Umständen umgekommen.

Turing gilt als Mathematikgenie, das sich aber mit Maschinen besser verstand als mit Menschen. Er hat das Konzept der künstlichen Intelligenz formuliert, der «Turing-Award» gilt als Nobelpreis der Informatik. Diesen erhalten hat im Jahr 1974 Donald Knuth. Die Liste der Auszeichnungen des 74-Jährigen ist lang, sogar ein Asteroid wurde nach ihm benannt.

Zentrale Teile der Informatik

«Den heutigen Preis hat er erhalten, weil er zentrale Teile der Informatik konzeptuell entwickelt hat», sagt Hromkovic, der ihm dafür eine Medaille und ein Gemälde überreicht. «Ich hoffe, ich bringe das Bild ins Flugzeug, sonst muss ich in der Schweiz bleiben. Das wäre ja aber kein schlechter Ort zum Arbeiten», sagt Knuth, der 2006 an Prostatakrebs erkrankt ist. Seither lebt der als «Guru der Computerwissenschaft» Bezeichnete zurückgezogen in Palo Alto und arbeitet an seiner Bibel der Computerwissenschaften, für die er schon vor vierzig Jahren zu schreiben begonnen hat.

Kantonsschulen ausgezeichnet

Donald Knuth ist allerdings nicht der einzige, der am Tag des Informatikunterrichts geehrt wird. Preise erhalten auch die Kantonsschulen Sargans und Wettingen für ihre Verdienste, geehrt wird auch die Kantonsschule am Burggraben. Ausgezeichnet werden zudem der Berner Informatikprofessor und Fachdidaktiker Aegidius Plüss und Jens Gallenbacher aus Darmstadt, Autor des Buches «Abenteuer Informatik».

Denn ein lohnendes Abenteuer soll der Informatikunterricht sein. Dieser soll so gestaltet werden, dass das Programmieren so etwas Selbstverständliches wird wie das Lesen, sagt Hromkovic. Guter Informatikunterricht sei möglich und komplizierter Algorithmus durchaus thematisierbar, sagt Gallenbacher und zeigt Beispiele. Mit einfachen Spielen und Beispielen aus der Praxis von Verkehrsleitsystemen und Wasserleitungen. «Dann steigt das Selbstvertrauen der Schüler», sagt Gallenbacher, und damit die Begeisterung für die Technik.





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