Mordaufruf in Winterthurer Moschee: Staatsanwaltschaft will Imam des Landes verweisen

AN'NUR-MOSCHEE ⋅ Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat gegen den äthiopischen Imam, der im Oktober 2016 anlässlich einer Predigt in der An'Nur-Moschee öffentlich zur Tötung von Muslimen aufgerufen hatte, Anklage erhoben.
Aktualisiert: 
11.08.2017, 10:00
11. August 2017, 09:52
Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland klagt den Winterthurer Imam an, der 2016 in einer Predigt in der An'Nur-Moschee öffentlich zur Tötung von Muslimen aufgerufen hatte. Sie beantragt eine bedingte Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren sowie eine Landesverweisung für 15 Jahre. Der Beschuldigte befindet sich seit November in Untersuchungshaft, wie die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft in einer Medienmitteilung vom Freitag schreibt.

Konkret wird dem Imam vorgeworfen, in seiner Predigt vom 21. Oktober 2016 unter anderem dazu aufgerufen zu haben, Muslime, die nicht in der Gemeinschaft beten, zu verstossen und diese bei anhaltender Weigerung gar in deren Häuser zu verbrennen oder zu töten. Zudem soll er über Facebook brutale Darstellungen des Tötens von Menschen beschafft und Drittpersonen zur Verfügung gestellt haben. Weiter wird ihm vorgeworfen, ohne die dafür notwendige Bewilligung während rund vier Wochen als Imam einer Erwerbstätigkeit nachgegangen zu sein und dadurch gegen die Ausländergesetzgebung verstossen zu haben.

Bereits im November 2016 eröffnete die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen den Imam und drei weitere Personen aus dem Umfeld der An'Nur-Moschee wegen öffentlicher Aufforderung zu Verbrechen und Gewaltätigkeiten. Zwei der Verfahren gegen die drei weiteren Beschuldigten sind im Juli eingestellt worden. Das dritte Verfahren steht laut Medienmitteilung kurz vor dem Abschluss.

Die Moschee war in der Vergangenheit wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Nach dem Vorfall vom Oktober 2016 kam es im Februar 2017 zu der Festnahme von zehn Personen. Diese sollen zwei Glaubensbrüder angegriffen haben, die interne Informationen an einen Journalisten weitergegeben haben sollen. Ausserdem sollen mehrere Jugendliche, die nach Syrien gereist waren, um sich der Terrormiliz Islamischer Staat anzuschliessen, in der An'Nur-Moschee radikalisiert worden sein. Im Sommer dieses Jahren hat die umstrittene Moschee ihre Türen geschlossen. (red.)

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