Geheimnisse einer 3000 Jahre alten Prothese

ARCHÄOLOGIE ⋅ Basler Forschende haben mit Kollegen eine der wohl ältesten Prothesen der Menschheitsgeschichte neu untersucht: einen rund 3000 Jahre alten Holzzeh aus einem Frauengrab bei Luxor. Mit modernen Methoden haben sie der Geschichte der Prothese nachgespürt.
20. Juni 2017, 09:53

Es steckt erstaunliches handwerkliches Geschick in der Zehprothese, die aus dem frühen ersten Jahrtausend v. Chr. stammt und der Tochter eines Priesters gehörte.

Das haben Forschende um Susanne Bickel von der Universität Basel gemeinsam mit Kollegen von der Universität Zürich und dem Ägyptischen Museum Kairo herausgefunden. Entdeckt wurde die Prothese, die den grossen Zeh der Frau ersetzte, bei Ausgrabungen in der Nekropole von Sheikh ́Abd el-Qurna bei Luxor, dem früheren Theben.

Mit Mikroskopie, Röntgentechnik und Computertomografie hat das internationale Forscherteam den Holzzeh im Detail studiert. Demnach wurde die Prothese zu Lebzeiten an den Fuss der Dame angepasst und mehrfach überarbeitet, wie die Universität Basel am Dienstag mitteilte.

Geschickter Handwerker

Der Hersteller muss mit der menschlichen Physiognomie bestens vertraut gewesen sein. Von seinem technischen Know-How zeugen die Beweglichkeit des Prothesenaufsatzes und die robuste Struktur des Gurtbandes, mit dem der Holzzeh in Position gehalten wurde.

Der Kunsthandwerker hatte aber offenbar auch eine anspruchsvolle Kundin: Die aufwendige und sorgfältige Herstellung lassen vermuten, dass die Priestertochter grossen Wert auf möglichst natürliches Aussehen und grossen Tragekomfort legte.

Altägyptischer Elitefriedhof

Das geplünderte Schachtgrab, in dem die Prothese entdeckt wurde, liegt im Felsboden einer älteren, lange ungenutzten Grabkapelle am Friedhofshügel von Sheikh ́Abd el-Qurna, wie die Uni Basel schrieb. Die dazugehörige Gruppe monumentaler Felsgräber aus dem zweiten Jahrtausend v. Chr. diente der Bestattung einer kleinen, dem Königshaus nahestehenden Elite.

Die Forschenden um Bickel untersuchen den altägyptischen Friedhof seit 2015 im Rahmen eines vom Nationalfonds geförderten Projekts. Derzeit arbeiten sie mit Kollegen von der ETH Zürich daran, geometrisch präzise digitale 3D-Modelle des Geländes und der unterirdischen Baustrukturen zu erstellen. Anhand dieser Hilfsmittel wollen sie die Entwicklungsstufen und verschiedenen Nutzungsphasen des Friedhofshügels rekonstruieren. (sda)


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