Akris entdeckt den Humor

MODE ⋅ An der Pariser Modewoche zeigt das Schweizer Label Akris eine federleichte, lebensfrohe Frühlings-/Sommerkollektion 2018. Die Inspiration holt sich Designer Albert Kriemler diesmal beim bekannten Vitra-Designer Alexander Girard – Augenzwinkern inklusive.
02. Oktober 2017, 06:08
Odilia Hiller
Das Faible von Akris-Chefdesigner Albert Kriemler für Kunst und Architektur ist längst bekannt. Die Lebensfreude, der Humor und der Optimismus, welche die am Sonntagnachmittag in Paris an der Prêt-à-porter-Woche gezeigte Kollektion des Schweizer Modelabels ausstrahlt, überraschen schon eher. Jedoch ausschliesslich positiv. Etwas Leichteres, Frischeres hat man vom wichtigsten Schweizer Player auf dem internationalen Modeparkett lange nicht gesehen. Eine Frühlings-/Sommerkollektion 2018, bei der jedes einzelne Stück gute Laune macht.  

An der Pariser Modewoche zeigt das Schweizer Label Akris die Frühlings-/Sommerkollektion 2018. Die Inspiration holt sich Designer Albert Kriemler diesmal beim bekannten Vitra-Designer Alexander Girard. (Bilder: Caroline Blumberg)


 

 
Immer wieder lässt sich der St. Galler Designer von Werken aus Kunst und Bau inspirieren, die er auf seinen Reisen entdeckt – oder gezielt aussucht. Diesmal ist seine Wahl auf das Werk des US-amerikanischen Designers und Innenarchitekten Alexander Girard gefallen. Der Nachlass des im Jahr 1993 verstorbenen kreativen Genies der vergangenen Jahrhundertmitte wird vom Schweizer Designer-Kollektiv Vitra in Weil am Rhein verwaltet. Bis im Januar war dort eine Ausstellung mit Arbeiten Girards zu sehen, die Kriemler nachhaltig beeindruckte. Dreimal hat er sie besucht und schliesslich acht Motive des Textil- und Objektdesigners ausgewählt und für Akris in Stoff gegossen. 
 

Eine Reise nach  Santa Fe 

Für die neue Akris-Kollektion ist es so zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Akris, Vitra Design und der amerikanischen Familie des verstorbenen Girard gekommen. Dafür ist Kriemler, der seine Arbeit stets sehr gründlich verrichtet, unter anderem auch nach Santa Fe in New Mexico gereist. Dort leben Kinder und Enkel des Erfinders der bekannten Holzpuppen, die im Pariser Palais de Tokyo für die Akris-Schau überlebensgross nachgebaut worden sind. Und für die fröhliche Grundstimmung der Modeschau massgeblich mitverantwortlich waren. «Lustig, ohne albern zu sein.» So beschreibt Kriemler das Werk von Alexander Girard. Alles andere als albern sind auch die modischen Kreationen, die aus der Weiterentwicklung von Mustern, Skulpturen und Bildern Girards entstanden sind. Nebst bunten Grafiken, die auf entspannt fliessende weisse Sommerstoffe gedruckt sind, blicken hier stilisierte lächelnde Gesichter von einem sonst schlichten weissen Hosenanzug. Dort blitzen Beine zwischen hochgeschlitzten, mehrlagigen Chiffonkleidern hervor, während sich leuchtendes Blau konkurrenzlos neben ein Schachbrett-Kleid in Rot und Pink reiht. Grosse rote Herzen grüssen von transparenten Kleidern – auch dies etwas noch nie Gesehenes bei Akris. Nebst den leuchtenden, aber nie schreienden Farben zeigt Kriemler viel Schwarz. Besonders raffiniert: Ein schwarzes Abendkleid mit aufgenähten Motiven, die das Dreidimensionale einer Sperrholzskulptur des Amerikaners wiedergeben. Hier wähnt man sich schon beinahe bei der grossen Schwester des Prêt-à-porters, der Haute-Couture. 
 

Die Familie von Alexander Girard ist begeistert 

In Paris anwesend waren neben Schwiegertochter und Enkeln Alexander Girards auch Vitra-Gründer Rolf Fehlbaum sowie seine Nichte und heutige Vitra-Chefin Nora Fehlbaum. Die Familie des Designers ist begeistert: «Zu sehen, wie Albert Kriemler die Designs unseres Grossvaters interpretiert, ist für uns sehr aufregend. Wir haben das modische Potenzial seines künstlerischen Werks immer gesehen.»  

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