Vom Baum in den Mund

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Die deutschen Betreiber der Homepage Mundraub.org wollen, dass die Gesellschaft vergessene Früchte, Kräuter und Nüsse wieder wertschätzt. Und animieren deshalb dazu, zu pflücken wie früher.
29. Juli 2015, 16:13
Diana Bula
Einen Apfel vom Baum pflücken und sofort reinbeissen. Wie aromatisch die Frucht schmeckt! Das Glück des Erntenden ist ein grosses, aber einfaches. Was hat man sich als Kind gefreut, wenn am Wegrand Erdbeeren wuchsen. Oder Brombeeren. Mit den Jahren sind diese Momente seltener geworden. Den Initianten der Internetseite Mundraub.org erging das gleich. So kam ihnen an einem schönen Tag im September 2009 ihre Geschäftsidee. Damals unternahmen sie einen Ausflug mit dem Paddelboot. Die Tour führte vorbei an Bäumen, reich behangen mit Mirabellen, Äpfeln, Pflaumen. Den Ausflüglern lief wohl das Wasser im Mund zusammen. Jedenfalls dachten sie: «Einen Pflückatlas müsste man ins Internet stellen.»

Food Waste vorbeugen

Das haben Umweltingenieur Kai Gildhorn und seine Geschäftskollegen unterdessen getan. Auf ihrer Homepage kann man Früchte, Kräuter und Nüsse eintragen, die auf öffentlichem Grund gedeihen. 25 000 Nutzer zählt Mundraub.org, 17 000 Einträge sind verfasst. Die Mehrheit betrifft Bäume und Sträucher in Deutschland. Aber auch in Marokko finden sich Orte, an denen Früchtefans angeblich Orangen ernten können. Oder Feigen in Südspanien. Das Ziel der Jungunternehmer: «Wir wollen die Leute neugierig machen, damit sie wieder häufiger nach draussen gehen, über vergessene Pflanzen staunen und sie wertschätzen», sagt Mundraub-Mitarbeiter Konstantin Schroth. Auch dem Food Waste will die Truppe vorbeugen. Schliesslich sei es Verschwendung, wenn frisches, leckeres Obst im Gras verrotte.

Aber Vorsicht!

Doch: «Taucht ein Fundort auf der Karte auf, ist das noch keine Garantie dafür, dass dieser mundraubtauglich ist. Man muss sich bei den Behörden erkundigen – vor dem Eintragen, vor dem Pflücken», sagt Konstantin Schroth. Als das Projekt noch überschaubar war, prüften die Initianten die Vermerke selber. «Heute sind wir zu gross. Die Community übernimmt nun die Kontrolle. Merkwürdige Einträge werden regelmässig gemeldet», sagt er. 100mal kam das 2014 vor, 50 Verdachte erwiesen sich als korrekt. «Die Bäume standen entweder in Naturschutzgebieten, wo ernten verboten ist, oder sie gehörten Privaten.»

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