Küssen ohne scharf

Zwei Freunde aus Bremen haben genug vom Mundgeruch nach dem Döner-Kebab-Essen und erfinden das erste Getränk gegen die Knoblauch- und Zwiebelfahne. Bald verkaufen sie es auch in der Schweiz.
25. Februar 2014, 02:34
CATHRIN MICHAEL

Am Anfang sind Powerpoint-Präsentationen. Viel mehr dürfen Jan Plewinski und Roman Will nicht machen. Will arbeitet als Unternehmensberater, Plewinski jobbt in der Werbebranche. «Wir hatten so gut wie keinen Einfluss auf den Geschäftsbetrieb. Das war frustrierend», sagt Plewinski. Am Feierabend denken die zwei deshalb über eigene Geschäftsideen nach. Eines Abends, nach zwei, drei Bierchen, ist klar: Sie wollen ein Getränk erfinden gegen die Knoblauch- und Zwiebelfahne nach dem Kebab.

Stinken bis am Morgen danach

Was Ende 2011 als Schnapsidee startet, nimmt schnell Form an. Die 28-Jährigen erzählen ihren Freunden davon und merken: Es ist Bedarf da. Denn jeder kennt das Problem: Ein Kebab schmeckt zwar fein, aber die Knoblauch- und Zwiebelfahne danach nervt. «Bei der Arbeit, in Gesellschaft und noch am nächsten Morgen», so Plewinski.

In der eigenen Küche beginnen Plewinski und Will zu tüfteln. Sie mischen alles zusammen, was neutralisierend wirken könnte. «Herausgekommen sind Suppen, die nach Pfeffer und Stinkefüssen gerochen haben», sagt Plewinski. In der Apotheke besorgen sie den pflanzlichen Wirkstoff Chlorophyll. Das ist nichts anderes als Blattgrün. Nimmt man es ein, bricht es die Struktur der Bakterien im Mund auf – unangenehmer Mundgeruch wird neutralisiert. Die Idee ist gut, doch an der Umsetzung, Chlorophyll flüssig zu machen, hapert es. Die Kollegen leihen sich Geld und wollen mit einem Getränkeentwickler zusammenarbeiten. Doch: viel zu teuer. Sie stehen vor dem Aufgeben. Unerwartet kommt ein Anruf von der Uni: Ein Lebensmitteltechnologiestudent beschliesst, die Getränkeidee in seiner Bachelor-Arbeit umzusetzen. Nach vielen Wochen Arbeit steht der Prototyp: ein fruchtig-minziges Getränk, fast wie Tee.

Die zwei testen das Getränk selber: Mit der Familie, mit Freunden und an ihren Freundinnen. «Nach dem Getränk küsst sich's unbeschwert und lecker», sagt Plewinski und lacht. Die Wirkung setze nach 30 bis 60 Minuten ein. Der Name des Getränks liefert ihnen «Papa Türk», der Besitzer ihres Lieblings-Kebab-Ladens in Bremen. Sein Gesicht ziert die Flasche. «Bei <Papa Türk> fühlen wir uns wohl. Genau so soll es mit unserem Getränk sein: Ein Helfer in allen Lebenslagen.»

Getränk macht fleissige Küsser

Ihr Ziel: Die Hälfte aller türkischen Kebab-Häuser Deutschlands zu beliefern. «Papa Türk» soll aber auch in Feinkostläden und Supermärkten erhältlich sein. In Deutschland und Österreich gibt es bereits Verkaufsstellen. Mit den Schweizer Getränkehändlern stehen Plewinski und Will in Verhandlung. «Wenn alles glatt läuft, gibt es unser Getränk in weniger als zwei Monaten auch in der Schweiz», sagt Plewinski. Er und sein Freund setzen alles auf eine Karte: Ihre Jobs haben sie gekündigt, letzte Woche haben sie ihr erstes eigenes Büro bezogen. «Seither küssen wir wieder viel mehr.»


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