Auf den Spuren von Claude Monet

INSTAGRAM ⋅ Der St. Galler HSG-Student Patrick Güller reiste im Auftrag der Fondation Beyeler in die Normandie. Das Museum schickte drei Instagram-Fotografen zu den Motiven des Malers Claude Monet.
09. April 2017, 05:16

Die Milchstrasse, die Alpen und Klippen am Meer haben ihn zum Star gemacht, zum Star der Schweizer Instagram-Szene. Die Rede ist von Patrick Güller. Seit 2014 stellt der 20-Jährige aus dem Wallis solche Motive ins Netz. Bis heute hat er es damit zu über 83000 Followern gebracht. Nur eine Handvoll anderer Instagrammer hierzulande kann sich über ähnlich hohe Follower-Zahlen freuen. Nun ist auch die Fondation Beyeler auf ihn aufmerksam geworden. Anfang April hat sie ihn und drei weitere Insta­gram-Grössen in die Normandie geschickt, um zwischen Paris und Rouen eine Bilder-Reise auf den Spuren Claude Monets zu unternehmen.

Begonnen hat Patrick Güllers Instagram-Karriere unspektakulär. «Ich habe aus Spass ein Profil eröffnet und gepostet, was mir in den Kopf kam. Vom Partyschnappschuss über Naturbilder bis zum Skivideo.» Irgendwann aber merkte der junge Mann, der in St. Gallen an der HSG studiert, dass vor allem seine Flussläufe und Nebeltäler Aufmerksamkeit bekamen. «Die Leute haben mich angeschrieben und gefragt, wie diese und jene Aufnahme gemacht sei. Auch gab es Komplimente oder technische Fragen. Da beschloss ich, einen weiteren Account einzurichten, nur mit Landschaften.» Es ging rasch, bis neben den Privatpersonen auch Firmen, etwa aus der Tourismus- oder Automobilbranche, Güllers Bilder entdeckten. Sie wollten seine Aufnahmen nutzen und erteilten Aufträge. Doch nicht nur seine Bilder werden von der Community geschätzt, sondern auch seine zügigen Antworten auf Fragen jeglicher Art. Vielleicht sei das der Grund für den grossen Zulauf, rätselt er.

Monets Motive aus heutiger Sicht

Als sich die Fondation Beyeler gemeldet hat, war das für den Studenten Neuland. «Zum ersten Mal hat mich ein Museum kontaktiert. Und dann auch noch mit so etwas Speziellem! Ein Fotoauftrag, der die dortige Ausstellung über Monet auf Instagram aus einer anderen Perspektive beleuchten sollte. Da ging es darum, Motive des Malers aus heutiger Sicht einzufangen und dessen Themen, etwa Licht und Schatten, in einem modernen Medium aufzugreifen.»

Güller gesteht, dass er davor kaum etwas über Monet und dessen Schaffen wusste. Das hat sich durch die Reise in die Normandie geändert. «Es war grossartig, da uns der begleitende Kurator über die kunstgeschichtlichen Hintergründe informierte. So entstand ein neuer Bezug zu Monet.» Nach der Reise wirken beim jungen Mann zwei Gedanken weiter. Der eine: «Seit Monet vor hundert Jahren an diesen Orten war, ist die Landschaft unverändert. Licht und Schatten wirken noch wie damals. Wir konnten so das Gleiche, was bereits Monet faszinierte, an diesen Plätzen wahrnehmen. Nur haben wir unsere Eindrücke mit dem Medium der Fotografie eingefangen.» Der andere: «Monet war oft an diesen Orten. Nun lebt er schon lange nicht mehr. Geblieben ist seine Kunst. Was bleibt wohl von uns?»

Der 20-Jährige, der seine Bilder nie aufwendig retuschiert, sondern nur minimale Details wie etwa Lichtverhältnisse bearbeitet, um Stimmungen besser zu vermitteln, ist gespannt, welche Reaktionen auf die Fotografien dieser Reise kommen werden. Sie werden auf dem Insta­gram-Kanal der Fondation Beyeler, auf Güllers eigenem sowie auf den Accounts der drei anderen Fotografen Valentin Manhart, André Stummer und Martina Bisaz publiziert. Sich als Instagram- Star das Leben finanzieren will Patrick Güller trotz seines Erfolges nicht. «Es ist grossartig, und ich bleibe dran. Aber es ist auch zeitintensiv, und ich interessiere mich für vieles. » Deshalb wählt er Angebote gezielt. Und momentan konzentriert er sich auf sein Studium.

 

Dorothee Haarer

www.instagram.com


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