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Tagblatt Online, 06. September 2010 07:21:00

Spielerische Kreativität

Spiel für iPhone

Zoom

Spielentwickler Rolf Fleischmann testet sein Game auf einem iPad. (Bild: Bild: Benjamin Manser)

Der junge St. Galler Game Designer Rolf Fleischmann hat erfolgreich sein erstes Spiel für iPhone und iPad lanciert. Dies zu einem Zeitpunkt, in dem sich langsam die Erkenntnis durchsetzt, dass Game Design Kulturförderung verdient.

Andreas stock

Seit gut zehn Tagen gibt es das Spiel «No, Human» im App Store von Apple zum Herunterladen. Es ist nur eines von Hunderten von neuen Programmen, die jede Woche auf der weltweit grössten Plattform mit Anwendungen für mobile Geräte von Apple dazukommen. «No, Human» erhält viele positive Reaktionen, wurde auf der Apple-Seite empfohlen und rangierte zeitweise unter den Top-100-Spielen in diversen Ländern. Entwickler und Erfinder des nun weltweit erhältlichen Games ist der St.Galler Rolf Fleischmann, der damit sein erstes Mobile-Spiel auf den Markt bringt; seine Freude über die gelungene Premiere ist entsprechend gross.

Beginn im Untergrund

Der gelernte Grafiker hatte während der Grafik Fachklasse am GBS mit Animationen begonnen, wie viele Game Designer vor ihm auch. Dieses Medium war ihm aber schnell zu eingeschränkt: «Mir hat immer etwas gefehlt», sagt der Mitbegründer des Vereins Sequenz, welcher seit Jahren eine Plattform für kreative Köpfe im Bereich sequenzieller Kunst bietet. «Spiele waren schon immer eine Leidenschaft», erzählt der gebürtige Appenzeller. «Mich hat aber ebenso die Gestaltung und Machart interessiert». In der Freizeit entstanden erste Versuche mit einfachen Spielkonzepten. Vor bald zehn Jahren entstand «Untergrund» (www.untergrund.ch); ein kleines, einfaches Internet-Spiel, bei dem man sich durch verschiedene Räume und Ebenen klickt. 

Vor ein paar Jahren kamen dann erste bezahlbare, benutzerfreundliche Programme auf den Markt, die es unabhängigen Game Designern erlaubten, ohne hochqualifizierte Programmierkenntnisse komplexe Spielwelten zu entwickeln. Diese Programme und ein neuer Markt für Games auf mobilen Geräten lösten einen Boom an Spielentwicklungen aus, die unabhängig von Spielverlagen und abseits kommerzieller «Baller»-Spiele entstanden.

Diese «Goldgräberstimmung» und einige mobile Independent Games spornten den 29-Jährigen an: Im Januar begann er eine berufliche «Auszeit», um sein erstes Game zu entwickeln.

Sprachwitz mit «D-Englisch»

«No, Human» spielt im Weltall. Aufgabe ist es, mit Kometen Raumschiffe abzuschiessen. Dabei gilt es, verschiedene Hindernisse zu überwinden. Das intuitiv aufgebaute Spiel führt über 50 Levels mit steigendem Schwierigkeitsgrad. Mit einigen einfachen Grundregeln werden die Kometen auf dem Touchscreen «abgefeuert».

Die reduzierte, doch schön gestaltete grafische Spielebene belohnt jeden erfolgreichen Treffer mit einer dreidimensionalen Zeitlupe der «Explosion» des getroffenen Objekts.

Ein wichtiges Element ist die witzige Textebene. Jeder Level wird von einem Spruch eingeleitet, der dem Spieler einen Tip zur Lösung der Aufgabe gibt. Bei Erfolg oder Scheitern folgt jeweils ein Kommentar.

Diese Texte sind in einem teils kuriosen «D-Englisch» verfasst, unter anderem mit Sprichwörtern, die es so im Englischen gar nicht gibt. «You aim like a blind goat», heisst es beispielsweise. «Der Witz ist ein wichtiger Teil des Spiels», sagt der junge Spielentwickler.

Spielkultur ernst nehmen

Rund vier Monate hat Rolf Fleischmann am Spiel gearbeitet, das ein geübterer Gamer in einer Stunde bewältigen kann. Mit seinem Kollegen Jonas Furrer, mit dem er bereits verschiedene Projekte realisierte, sitzt er an einem neuen Spiel. Dies würden sie gerne beim ersten «Swiss Game Projekt» einreichen, das die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia Ende Jahr ausschreiben wird. «Es könnte allerdings ein Zeitproblem werden», fürchtet der St. Galler. Diese Woche reist er nach Baden ans internationale Animationsfilm-Festival «Fantoche».

Game Design nimmt dort neu einen wichtigen Raum ein und die Pro Helvetia wird ihr Programm «Game Culture» vorstellen. Rolf Fleischmann freut diese Entwicklung sehr, die Game Design langsam als Teil der Alltagskultur und vermehrt als ebenso kreativen Zweig wie Trickfilm oder Comic wahrnimmt. Er ist gespannt auf die Begegnungen und Gespräche mit anderen unabhängigen Game Designern in Baden, zumal es bis jetzt kaum eine Vernetzung untereinander gibt.





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