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Tagblatt Online, 25. Oktober 2008 09:32:00

Manon, ein Mensch

Am Mittwoch war die Künstlerin Manon im Rahmen von «Ladies only!» im Kunstmuseum St. Gallen zu Gast. Sie sprach über ihre künstlerische Arbeit und ihr Leben – mit bezaubernder Ehrlichkeit.

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Künstlergespräch: Stefanie Kasper, Manon und Roland Wäspe. (Bild: Bild: Ralph Ribi)

Ursula Badrutt Schoch

ST.GALLEN. Manon – der Name ist Marke. Und Magie. Wer einen strategisch kalkulierten Auftritt erwartet, täuscht sich. Enttäuschung gibt es dennoch keine. Respektvolle Nähe und entwaffnende Offenheit herrschen vor, wenn Manon auftritt. Das trifft in die Herzgegend. Was als Inszenierung daherkommt, ist mehr als Schutzmassnahme der Künstlerin zu sehen, sich vor der eigenen gnadenlosen Ehrlichkeit in Acht zu nehmen. Schon bald ist die dunkle Brille aber beiseite gelegt. Manon ist auch und vor allem Mensch.

Mut und Zweifel

Das gut durchmischte Publikum ist zahlreich zum Gespräch von Museumsdirektor Roland Wäspe und Museumpädagogin Stefanie Kasper mit der Künstlerin erschienen. Die charismatische Präsenz von Manon macht die Ohren steif und sämtliche Sinne wach für Atmosphärisches. Es sei am Ende einer schwierigen Zeit und Schaffenskrise gewesen, als 1990 die Anfrage des jungen Museumsleiters Wäspe für eine Einzelausstellung mit Manon im Kunstmuseum St. Gallen kam. Die nicht uneitle und von berechtigtem Stolz auf die Wiederentdeckung (oder war es eine Neuentdeckung?) von Manon in der Ostschweiz begleitete Frage beantwortet sie – wie alle folgenden – souverän und präzis; kein Wort zu viel. Roland Wäspe habe den richtigen Moment erwischt, als die Ideen zusammen mit dem Lebensmut wieder erwachten. Im Laufe des Gesprächs erfahren die Zuhörenden von den langen und von Zweifeln durchzogenen Schaffensprozessen der Künstlerin, die viel zeichnet und schreibt, bis sie die endgültige Form findet. Oder die Arbeit auch verwirft.

Das Damenzimmer, das in seiner ersten Fassung 1990 in der St. Galler Ausstellung zu sehen war und in «Ladies only!» einen Schwerpunkt bildet, führt Künstlerinnen, Modemacherinnen, Schriftstellerinnen, Sängerinnen zusammen, die für Manon eine persönliche Bedeutung haben. «Allen gemeinsam ist, dass ich sie anziehend finde und dass sie ein schwieriges Leben hatten. Und dass sie erst spät oder nach ihrem Tod gebührende Anerkennung fanden.» Da ist zu hören von der Verbindung zu Nico (Christa Päffgen), der einstigen Sängerin von The Velvet Underground, die über Drogen lief, von der Freundschaft zu Sonja Sekula, die sie in der Psychiatrischen Klinik kennen- lernte und der sie sich über den Freitod hinaus verbunden fühlt, von Colette, Coco Chanel und Meret Oppenheim. Von Gefängnis und Entziehungskuren ist die Rede, von Erotik und Zusammenbrüchen.

Mit Schalk und Charme

Erfrischende Anekdoten mischen sich unter die Erzählungen zu einzelnen Werkentstehungen. Etwa die von der Prostituierten in Paris, die mit einem Krankenwagen durch die Strassen fuhr und die Freier bediente, was Vorbildwirkung für «Manon's Rettungsdienst» hatte.

In New Yorks Buchläden fände man Manons Bücher in den Auslagen, weiss Wäspe zu berichten, und demnächst wird dort eine Ausstellung im Swiss Institute eröffnet. Noch ungenannt sein wollende Preise und Ehrung liegen vor der Tür. «Es scheint langsam so weit zu sein», mein Roland Wäspe, und «Was ist das denn für ein Gefühl?» «Schön», sagt Manon schlicht. «Aber auch mit Melancholie verbunden.» Dann lacht sie und ohne die Nachfrage abzuwarten: «Es ist etwas spät.» Das Vergehen von Zeit ist Teil ihres Werks, Teil des Lebens.

Manon ist gnadenlos. Sie blendet weder die unglückliche Kindheit und Jugend in St. Gallen aus noch andere Enttäuschungen. Doch Larmoyanz und Bitterkeit, Hass und Hader sind nirgends auszumachen. Sie hat nichts zu bereuen, denn sie macht, was sie tun muss. Wir lieben sie dafür.

Manon in aktuellen Ausstellungen: «Ladies only», St. Gallen (bis 9.11.), «Konkret Mega Mopp», Seedamm Kulturzentrum Pfäffikon (bis 2.11.) und «Dark Side», Fotomuseum Winterthur (bis 16.11.)




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