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Tagblatt Online
31. Oktober 2009, 01:01 Uhr

Ein Stein für die Stadt

Von oben «geflogen»: Wirklich schwer wirkt Peter Kamms Elf-Tonnen-Skulptur auch am Boden nicht. Zoom

Von oben «geflogen»: Wirklich schwer wirkt Peter Kamms Elf-Tonnen-Skulptur auch am Boden nicht.

Eine Gruppe von Donatorinnen und Donatoren hat der Stadt St. Gallen ein Kunstwerk geschenkt. Gestern wurde auf Drei Weieren neben der Schiller-Linde die Skulptur «Nicht pflanzen – stechen» von Peter Kamm gesetzt.

martin preisser

Die Schiller-Linde, 1905 von der «dankbaren Jugend» gepflanzt, bekommt auf Drei Weieren eine eindrucksvolle Nachbarin: Peter Kamms Sandsteinskulptur «Nicht pflanzen – stechen». Elf Tonnen wiegt die fertige Arbeit – ein unverwechselbarer Kamm. Zehn Tonnen hat der Künstler abgeschlagen vom Sandstein aus der Eifel. «Nur wenn die Hälfte weg ist, wird der Stein gut», erklärt der Bildhauer. Und es ist ein Atelierstein, keiner, der in der freien Natur fertiggestellt worden wäre. «Das wäre falsche Romantik», sagt Peter Kamm.

Dass Kamms erste öffentliche Arbeit in St. Gallen an einem so prominenten Platz zum liegen kommt, mag der zurückhaltende Künstler nicht kommentieren. Worüber er sich aber sichtlich freut, ist der Prozess, wie es zu dieser Plazierung gekommen ist.

Leicht und geheimnisvoll

Das Ehepaar Heidi und Peter Mattmüller Bührer hatte zu seiner Heirat einen Stein von Peter Kamm geschenkt bekommen und wünschte sich, dass von ihm eine Skulptur im öffentlichen Raum St. Gallens stehen möge. Heidi Mattmüller Bührer bewundert an Peter Kamms Arbeiten die vielen Assoziationen, die die künstlerisch bearbeiteten Steine zuliessen, und liebt die Ausstrahlung von Leichtigkeit, aber auch die von Geheimnis. Peter Bührer hat die gestrige Vernissage nicht mehr miterlebt. Er verstarb exakt zwei Jahre, nachdem Peter Kamm im Oktober 2007 den Stein im Steinbruch bei Bitburg ausgesucht hatte.

«Modellhaft» sei das Projekt von der Idee bis hin zur Setzung gewesen, freut sich Donatorin Heidi Mattmüller Bührer. Die anderen Unterstützer der Idee wollen anonym bleiben. «Vorbildlich» sei der Prozess gewesen, wie Peter Kamms Arbeit den Weg in den öffentlichen Raum gefunden habe, doppelt Elisabeth Beéry nach, als St. Galler Stadträtin die Direktorin für Bau und Planung.

Für Kunst im öffentlichen Raum gibt es in St. Gallen ein klares Prozedere. Die Arbeitsgruppe Kunst und Raum ist das erste Gremium, das die zu erwartende Kunst beurteilt. Die Gruppe, deren Zuständigkeit zukünftig neu geregelt werden soll und die als noch informelles Gremium einen offizielleren Status erhalten soll, gibt es seit 1991. 2007 sagte die Arbeitsgruppe unter der damaligen Stadtbaumeisterin Wiebke Rösler rasch Ja zur Idee, eine Peter Kamm-Skulptur im öffentlichen Raum aufzustellen. Eine nächste Gruppe kümmerte sich um die Standortwahl; vier bis fünf Plätze standen zur Auswahl. Der Ort neben der Schiller-Linde hat das Rennen gemacht. Im September 2007 wurde das Projekt im Stadtrat diskussionslos gutgeheissen.

Peter Kamms Stein «Nicht pflanzen – stechen» wird in seiner Art, die Natur selbst in sich aufzunehmen, und in seiner Gestalt, die sich mit der Umgebung seltsam organisch zu verbinden scheint, den Platz auf Drei Weieren sehr speziell und faszinierend aufwerten. Es ist Kunst für einen viel besuchten Platz, es ist ein Stein für die Stadt. Frisch geputzt wurde er gestern nachmittag sozusagen der Natur übergeben, in der er – so Peter Kamms Philosophie – dereinst wieder aufgehen soll.

Sehr persönliches Geschenk

«Den St. Gallerinnen und St. Gallern wird dieses sehr persönliche Geschenk gefallen, denn sie sind offen auch für Unkonventionelles», ist Stadträtin Elisabeth Beéry überzeugt. Es sei der Stadt ein politisches Anliegen, zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum zu zeigen, sagte die Baudirektorin an der Vernissage, an der auch Konrad Bitterli, Kurator am Kunstmuseum St. Gallen, mit humorvollem Sachverstand an das Wesen der Steine Peter Kamms heranführte.



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