Spielen ohne Regeln

TRENDS ⋅ Die «guten alten» Gesellschaftsspiele waren gar nie out. Was auch daran liegt, dass den Spielerfindern weltweit jedes Jahr Neues einfällt. Einige interessante Ansätze und Spiele stellen wir vor.
14. November 2017, 05:20
Hendrik Breuer

Gesellschaftsspiele sind in den vergangenen Jahren stetig besser geworden. Sie erschliessen sich neuen Technologien und vernachlässigen doch das analoge Spielen nicht. Spieleerfinder aus dem In- und Ausland überraschen mit immer neuen Ideen.

So etwa der Bremer Friedemann Friese, seit Jahren einer der kreativsten Autoren der Szene. Er überrascht in diesem Jahr mit drei Kartenspielen, die man los spielen kann, ohne Regeln zu lesen – intuitiv fast wie ein Computerspiel. Man lernt sämtliche Regeln in kleinen Schritten während des Spielens. Man setzt sich an den Tisch, ohne dass man weiss, was eigentlich passiert. Darauf muss man sich allerdings auch einlassen wollen.

Virtual Reality meets Escape Room

Der heisseste Trend der Branche sind aber immer noch sogenannte Escape-Room-Spiele. Diese Spiele, in denen die Gruppe gemeinsam Rätsel lösen und sich innerhalb von einer Stunde aus einem Szenario befreien muss, sind bei allen Verlagen allgegenwärtig. Ganz neu ist ein Escape Room, bei dem eine Virtual-Reality-Brille zum Einsatz kommt. Hinweise müssen damit nicht nur im Spielmaterial, sondern auch virtuell gefunden werden. Das Spiel heisst «Escape Room Virtual Reality» und ist erschienen bei Noris-Spiele. Auf Weihnachten hin könnte es ein Verkaufshit werden.

Thriller-Autor mit Spiel in Buchform

Thriller-Autor Sebastian Fitzek ist mit fast zehn Millionen verkauften Büchern ein erfolgreicher Mann, er ist zudem leidenschaftlicher Spieler. «Spiele sind genau wie Bücher ein Tor in eine andere Welt», erklärt der Vater dreier kleiner Kinder. Zusammen mit dem erfolgreichen Spieleautor Marco Teubner hat Fitzek das kooperative Spiel «Safe House» entworfen, in dem die Spieler Zeugen eines Mordes werden und gemeinsam ein Safe House erreichen müssen. Der Clou an der Sache ist, dass das Spielbrett ein Buch ist, durch welches sich die Spieler hindurchblättern. Die Idee hatte der Schriftsteller aber nicht selbst, Co-Autor Teubner kam darauf.

Unterhaltsames aus Tschechien

Schaut man sich die Gewinner des wichtigsten Preises der Branche, dem «Spiel des Jahres», in der letzten Zeit an, fällt auf, dass viele Autoren nicht mehr aus dem deutschsprachigen Raum stammen. Eines der erfolgreichsten jüngst ausgezeichneten Spiele ist «Codenames», des tschechischen Autors Vlaada Chvátil, das den Preis 2016 einheimste. Seitdem wurden von dem Spiel weltweit bereits über eine Million ­Exemplare verkauft. Nun hat Chvátil mit «Was ‘ne Frage» ein neues Spiel entwickelt. Wie es funktioniert, kann man eigentlich schon einem Foto entnehmen: Ein Spieler stellt der Runde Fragen und alle anderen versuchen zu erraten, was der Frager antworten würde. Das sieht lustig aus und könnte der nächste Spiele-Hit aus Tschechien werden. «Solche Spass-Spiele haben wir früher ständig gespielt», sagt Chvátil, «ich habe lediglich einiges am Spielverlauf aufpoliert.»

 

Hendrik Breuer


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