Tagblatt Online, 11. Mai 2010 07:12:00
Trugbild Robin Hood
ACHTUNG: Bild nur im Zusammenhang mit dem Film «Robin Hood» verwenden!!! (Bild: Bild: Universal Pictures)
Diese Woche hat in Cannes «Robin Hood» mit Russell Crowe Premiere. Das Problem ist nur: So ziemlich alles ist falsch, was wir über Robin Hood wissen.
Christian Satorius
Wir kennen Robin Hood als Helden, der den Reichen ihr Geld abnimmt und es unter den Armen und Geknechteten verteilt. Mit seiner Bande Geächteter, zu der unter anderen der fröhliche Mönch Bruder Tuck und seine grosse Liebe Marian gehören, versteckt er sich tief im Sherwood Forest und kämpft von dort aus nicht nur gegen den bösen Sheriff von Nottingham und die verhassten normannischen Besatzer, sondern auch für König Richard Löwenherz und das geliebte England.
«Ganz und gar eine Erfindung»
Mit Ausnahme des Sheriffs von Nottingham, gegen den er auch in den ältesten Texten sehr wohl gekämpft hat, ist alles Quatsch. Nichts davon wird in den ältesten Balladen erwähnt. Es kommt sogar noch schlimmer: Harvard-Professor Francis James Child ist sich sicher, dass Robin Hood gar nicht gelebt hat. «Er ist ganz und gar eine Erfindung der Balladen-Muse», sagt Child.
Die ältesten dieser Balladen stammen aus dem 15. Jahrhundert. Literaturwissenschafter gehen aber davon aus, dass diese Textfassungen sich auf noch weitaus ältere Quellen stützen. In der Tat findet sich in einer alten englischen Schriftrolle aus dem Jahr 1225 der Eintrag «Rob. Hod. fug.», was so viel bedeutet wie «Rob. Hod. flüchtig».
Edward – oder Richard?
Also doch ein Indiz, dass es eine historische Person mit dem Namen Robin oder Robert Hod beziehungsweise Hood wirklich
gegeben hat? Das Problem ist, dass zum einen der Name Robert oder Robin einer der häufigsten im England des 13. Jahrhunderts ist. Zum anderen ist Robin Hood in verschiedenen Schreibweisen zu dieser Zeit ein Synonym für den Gesetzesbrecher an sich.
Vielversprechender sind Hinweise in der «Geschichte von Robyn Hode» («A Gest of Robyn Hode»), die im 15. Jahrhundert entsteht, sich aber ebenfalls auf ältere Quellen stützt.
Hier wird ganz explizit König Edward erwähnt – allerdings nicht näher bestimmt, um welchen der Monarchen es sich handelt. Experten gehen davon aus, dass nur die Könige Edward I., Edward II. und Edward III. in Betracht kommen, also die Zeit von 1272 bis 1377. König Richard Löwenherz allerdings, den wir heute meist mit der Geschichte verbinden, regiert England viel früher, nämlich von 1189 bis 1199.
Doch wird diese falsche Verbindung zu Richard Löwenherz früh hergestellt, schon der Historiker John Major erwähnt sie 1521. Auf diesem Weg bekommt die Robin-Hood-Geschichte neue Komponenten, die bis heute dominierend sind.
Ein anderer Robin Hood
Richard Löwenherz gerät nämlich in die Gefangenschaft des Stauferkaisers Heinrich VI., der ein immens hohes Lösegeld für die Freilassung fordert.
Richards Mutter ist bemüht, die Forderungen schnellstmöglich zu erfüllen, plündert so halb England aus und stürzt das ganze Land in eine Finanzkrise, der schwere Unruhen folgen. Genau das aber ist der Grundstein für die soziale Umverteilung bei Robin Hood: Er beraubt die Reichen und verteilt das Diebesgut unter den Armen.
Trotz seiner Verbrechen wird Robin Hood begnadigt – und zwar in den ältesten Texten nicht von Richard Löwenherz, sondern von König Edward. Dies rückt eine andere historische Person in den Fokus der Suche nach dem echten Robin Hood: Robert Hood, der sich 1322 zusammen mit dem Earl of Lancaster an einer Rebellion gegen den König beteiligt.
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